Sie wollen Ihr Auto versichern? Billig wie nie? Kein Problem – das versprechen die deutschen Kfz-Versicherer. Allen voran: Preisdrücker Verti („So günstig war Autoversicherung noch nie!“). Schade, dass das nur am Anfang gilt. Danach wird’s teuer. Und oft sogar unfair.

Baufinanzierung Vergleich

Alle Jahre wieder:

Die Preis-Schlacht hat begonnen, die Wechsel-Saison startet.

Die Autoversicherer buhlen um Millionen Kunden.

Und überbieten sich mit den wildesten Versprechungen.

„Schon für zehn Euro im Monat“

.

„jetzt billige Preise sichern“

.

„85 Prozent sparen“

.

„30 Euro Gutschein“

.

„in nur zwei Minuten die alte Versicherung kündigen“…

Dieses Jahr wollen sich so viele Autofahrer wie noch nie eine neue Versicherung suchen:

„Eine vogelwilde Wechselsaison in der KFZ-Versicherung steht bevor. Die Hälfte der Autobesitzer in Deutschland erwägt einen Wechsel ihrer Autoversicherung“

sorgt sich das Magazin „Versicherungswirtschaft“, Hauspostille der deutschen Assekuranz-Unternehmen.

Denn:

Die Autofahrer sind unzufrieden:

– 28% finden ihren Kfz-Tarif zu teuer

– 32% haben nicht den optimalen Tarif für ihre individuellen Bedürfnisse

– 19% fühlen sich von ihrer Versicherung nicht gut beraten

So günstig war Autoversicherung noch nie? So ärgerlich aber auch nicht…

 So viele enttäuschte Autofahrer – wie gut dass es Verti gibt.

Den selbsternannten sympathischen Preisdrücker unter den Kfz-Versicherungen.

Der sich bei vielen Vergleichsportalen sehr oft die ersten Plätzen erobert.

Zu Recht?

Nun ja.

Verti stellt sich gern als Rabatt-Monster und Service-Giganten dar:

„So günstig war Autoversicherung noch nie“

.

„Immer das für Sie bestmögliche Angebot“

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„Jetzt Premium-Tarif zum Preis vom Klassik-Tarif“

.

„Eine Versicherung, auf die Sie sich jederzeit verlassen können“

 

Doch ist das wirklich so?

Wer Verti noch nicht kennt:

Die Versicherung hat sich umbenannt, sie hieß vorher „Direct Line“ (bis 2017).

Ja genau – jene Versicherung, die immer mit dem roten Telefon auf Rädern geworben hat.

Und die in der Vergangenheit schon viele Kunden erbost hat.

Terence Tester erinnert sich nur allzu gut…

Also neuer Name – neues Glück?

Eher nicht.

 

Auch wenn Verti das negative Image von „Direct Line“ nur zu gern abstreifen würde.

Das Problem:

Allzu viel scheint sich nicht verändert zu haben.

Das zeigen die Erfahrungen der Verti-Kunden auf den Bewertungsportalen „Trusted Shop“ und vor allem „Trustpilot“.

Ratenkredite Vergleich

Einige Stimmen bei Trustpilot und TrustedShops

„Absolut miese Zahlungsmoral im Schadensfall. Für mich als Geschädigter war die Schadensregulierung nur mit Anwalt möglich“

.

„Jährlich steigende Beiträge trotz sinkender Schaden-Freiheitsklasse und diesmal sogar sinkender Typklasse“

.

„Spätestens nach dem zweiten Bagatellschaden wird rigoros gekündigt“

Im ersten Jahr günstig, im zweiten Jahr teurer

Gelegentlich antwortet Verti den wütenden Versicherten sogar per Internet.

Und dann wird´s richtig spannend.

Kunde Nummer eins beschwert sich:

„Wenn ich jahrelang unfallfrei fahre, erwarte ich, dass ich für das kommende Jahr dafür auch weniger bezahle anstatt mehr.“

Verti gibt sofort nach und senkt den Preis:

„Wir haben Ihnen in der vergangenen Woche ein überarbeitetes Angebot zugesandt. Gern können Sie uns dieses unterschrieben zurücksenden, und wir stellen den Vertrag um.“

Auch Kunde Nummer zwei findet seinen neuen Vertrag zu teuer:

„Es ist unglaublich, dass wir als Bestandkunden mehr als Neukunden zahlen sollen.“

Abermals lenkt Verti ein:

„Bei einem Neuabschluss gelten neue Vertragsbedingungen. Über die Änderungen möchten wir gern mit Ihnen Rücksprache halten.“

Ein klares Verti-Verhaltensmuster scheint sich abzuzeichnen:

– Regel eins:

Im ersten Jahr ist die Autoversicherung superbillig, aber schon im zweiten Jahr wird’s (deutlich) teurer.

Selbst wenn der Kunde keinen Schaden meldet und auch wenn der Gesamtmarkt die Preise senkt.

– Regel zwei:

Beschwert sich der Kunde, erlässt ihm Verti einen Teil der Versicherungsprämie.

Wer aber nicht meckert, bekommt auch nichts.

– Regel drei:

Am günstigsten fährt der Versicherte, wenn er seinen Alt-Vertrag kündigt und zu denselben Bedingungen neu abschließt.

Dann ist er nämlich ein begehrter Neukunde, den Verti unbedingt anlocken will – und kein lästiger Bestandskunde, dem man jedes Jahr ein paar Euro mehr abknöpfen kann (siehe oben). 

Kleines Auto – große Gewinnspanne

Aber wie könnte eine derartige Geschäfts-Strategie in der Praxis aussehen?

Terence Tester hat bei Verti-Kunden recherchiert.

Ein echtes Fall-Beispiel:

Ein Fiat 500 soll im zweiten Jahr bei mehr kosten, obwohl der Kunde keinen Schaden gemeldet hat und das Auto 2020 in eine günstigere Klasse kommt (Haftpflicht, Vollkasko).

Der Versicherte rebelliert, ihm sind die ca. 307 Euro pro Jahr zu viel.

Verti zögert nicht lange und reduziert den Preis auf etwa 270 Euro („… einen guten Kunden wie Sie verlieren wir nur ungern“).

Großzügig?

Von wegen!

Wenn sich der Kunde bei Verti neu versichern würde, müsste er für seinen Fiat 500 nur ca. 220 Euro bezahlen – bei exakt denselben Konditionen.

Aber Verti hatte doch so nett geschrieben:

„Sie können sich darauf verlassen, dass wir Ihnen immer das für Sie bestmögliche Angebot machen.“

Dabei hat die Versicherung vermutlich nur vergessen, die entscheidenden Worte hinzuzufügen:

Aber nur wenn Sie Ihren alten Vertrag kündigen.

Wenn Sie uns aber treu bleiben, dann sind Sie selbst schuld!

Auf dem Papier top – in der Realität flop

Immerhin bietet eine Verti-Autoversicherung („Premium“) all das, was Stiftung Warentest als Minimal-Schutz fordert:

– Haftpflichtversicherung bis 100 Millionen Euro („Deckungssumme“)

– Umfassende Absicherung für Mietwagen im Ausland („Mallorca-Police“)

– Versicherungsschutz trotz „grober Fahrlässigkeit“ (z.B. Unfall trotz roter Ampel)

– Abdeckung von Tier-Schäden (Tiere aller Art plus Folgen von Marderbissen).

Aber das tun inzwischen eigentlich so gut wie alle ernstzunehmenden Auto-Versicherungen.

Unser Fazit:

Verti ist günstig – genauer:

kann günstig sein.

Aber nur, wenn man sein Auto dort für maximal ein Jahr versichert.

Danach wird´s fast immer teuer.

Zu teuer für einen Anbieter mit einem doch eher durchwachsenen Ruf – vor allem wegen des oft kritisierten Services im Schadenfall.

Gesamtnote: 6

Kurz und Knapp: Verti Autoversicherung

Versicherte Fahrzeuge800.000
Kunden700.000
Seit wann auf dem Markt?Seit 1996 auf dem deutschen Markt (erst „Allstate Direct“,dann „Direct Line“, jetzt „Verti“)
Häufigste Kritikpunkte laut BewertungsportalenOft kritisierter Service bei Schäden
Das hat uns gar nicht gefallen:Leere Versprechen („immer bestmögliches Angebot“)
Terence Tester Gesamtnote6 (Ungenügend)

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Stimmt. Wer in der heißen Wechselsaison nicht aufpasst, wird schnell zum Treibwild!

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