Das Finnische Finanz-Start-Up Holvi („Tresor“) mischt den deutschen Bankenmarkt auf. Das Ziel: junge Geschäfts-Kunden. Holvi will sie mit einem Null-Euro Paket für Einsteiger und vielen nützlichen technischen Spielereien überzeugen. Weckt aber Zweifel durch schleppende Geld-Transfers und eine gewöhnungsbedürftige Einlagen-Sicherung.

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„Spare ab jetzt Zeit und Nerven mit Holvi“, tönt der finnische Banken-Herausforderer. „Wir halten Dir den Rücken frei. Und den Kopf“. Denn „Holvi ist das digitale Geschäftskonto für alle Selbständigen“. Mit der Betonung auf „alle“. Also selbstbewusst sind sie ja, die Finnen. Aber lassen sie ihren Sprüchen auch Spitzenleistungen folgen?

Terence Tester fragt: Schaffen die das? Und wer ist „Holvi“ überhaupt? Schließlich denken die meisten Deutschen bei Finnland an blasse Skispringer, wenig Sonne und viel Alkohol. Aber diese Klischees sind nicht nur dumm. Sondern auch veraltet.

Holvi ist zwar ein noch ziemlich junges Unternehmen. Dafür wächst es aber umso schneller. Der Finanz-Dienstleister wurde 2011 in Helsinki gegründet, startete 2014 auf dem deutschen Markt und hat bereits gut 150.000 Kunden (allein 40 Prozent aus Deutschland). Holvi gehört inzwischen zur spanischen Großbank BBVA.

Null-Euro-Paket für Einsteiger

Und: Die Finnen-Banker haben wirklich was auf dem Kasten. Sie bieten vier Kontomodelle – vom kleinen Gründer bis zum etablierten Unternehmer: „Builder“, „Grower“, „Complete“, „Unlimited“.

Vor allem das Null-Euro-Paket für Einsteiger „Builder“ beeindruckt. Zitat Holvi: „Unser kostenloses Geschäftskonto mit deutscher IBAN, gratis Business Mastercard, kostenlosen SEPA-Überweisungen und lexoffice Integration.“

Und das Beste: Alles stimmt. Das Einsteiger-Konto „Builder“ kostet tatsächlich Null Euro im Monat, inklusive einer kostenlosen Kreditkarte (Mastercard) und 500 elektronischen Buchungen pro Monat. Wer noch häufiger Geld hin und her schickt, zahlt ab Überweisung Nr. 501 jedoch 25 Cent. Aber wer macht das schon …

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Unerwünscht: Belege und Bargeld

Ein No-Go sind übrigens – bei allen vier Kontomodellen – die fast schon antiken Buchungen per Beleg. Im Klartext: Alle, die ihr Geld noch per Überweisungsformular, Kohlepapier und Kugelschreiber transferieren, haben leider Pech gehabt. Sie sind als Kunden nicht erwünscht.

Ebenso unmöglich ist auch das Einzahlen von Bargeld. Ein Nachteil für alle Geschäftsmenschen aus Handel oder Gastronomie, die abends oft die Taschen voller Geld haben. Das können sie leider nicht in irgendeinen Geldautomaten schieben oder per Post an Holvi schicken.

Der umgekehrte Weg des Geldes ist zwar möglich, aber teuer. Wer Bargeld braucht, zahlt kräftig drauf: Beim Einsteiger-Modell „Builder“ (und auch bei „Grower“) kostet das Anzapfen des Geldautomaten 2,5 Prozent der abgehobenen Summe – also z.B. happige 5 Euro von 200 Euro. Selbst der schon sehr gehobene „Complete“-Kunde wird immer noch mit 1,0 Prozent abkassiert. Nur als „Unlimited“-User kommt man kostenlos an Bargeld – wäre ja sonst auch nicht „unlimited“.

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Die wichtigsten Fakten zu den 4 Konten

„Builder“: siehe oben
„Grower“: kostet 9 Euro im Monat und bietet zusätzlich „Rechnungserstellung“ sowie „optionalen Onlineshop“. Alle anderen Konditionen sind gleich.
„Complete“: kostet 18 Euro Monat, umfasst 5 unterschiedliche Konten (z.B. für Geschäftsführer, Mitarbeiter) und die dazu passenden 5 Mastercard Business.
„Unlimited: bietet für 98 Euro im Monat eine unbegrenzte Zahl von Konten, Karten  und Bargeld-Abhebungen – „unlimited“ eben.

Doch wie kommt all das bei den Holvi-Kunden an? Offensichtlich gut. Denn genau diese Gesamtnote „Gut“ vergibt das strenge Bewertungsportal „Trustpilot“ (231 veröffentlichte Meinungen).

Das loben die Nutzer:

Deutsche IBAN (DE): Seit Sommer bietet Holvi sie den Kunden. Mit den bisherigen finnischen IBAN kam es immer wieder zu Problemen, weil andere Banken und Geschäftspartner die Holvi-Nutzer für Kunden einer ausländischen Bank hielten.

Smartphone-Banking: Alle Geld-Transfers etc. lassen sich tatsächlich per Handy und App erledigen. Wer möchte, kann natürlich auch Laptop, Pad oder stationären PC nutzen.

Praktische Tools: Auf seinem Holvi-Konto kann man z.B. Unterkonten für verschiedene Geschäftsbereiche oder Kunden einrichten und hat so das eigene Business noch intensiver im Blick. Oder die schicke Cash-Flow-Bilanz verfolgen.

Das kritisieren sie:

Den Bargeld-Einzahlungs-Boykott: Viele Kunden müssen umständlich ihre Freunde bitten, dass sie ihr Geld auf deren Konto einzahlen dürfen und diese es dann zurück überweisen.
– Innovations-Stau: Nutzer der ersten Stunde beklagen sich, dass Holvi altbekannte Fehler nicht beseitigt und keine wirklich bahnbrechenden Neuerungen mehr einführt.
– Schnecken-Tempo: Überweisungen brauchen oft erstaunlich lange und der Kunden-Service noch länger. Einzelne User beklagen sich, dass sie bis zu drei Wochen auf eine Antwort warten mussten und vergleichen Holvi gar mit dem deutschen (Pannen-)FinTech „N26“ (Zum N26 Erfahrungsbericht).

Ein solch böser Vergleich tut natürlich weh. Deshalb verspricht Holvi auch immer wieder, den „Support zu verbessern“ und den „Kundenservice aufzustocken“.

Ist das so? Terence Tester will´s wissen. Hat Hat Holvi sich gebessert? Zeit für einen Terence Tester Selbsttest.

Dichtung oder Wahrheit? Wie schnell und zuverlässig ist Holvi?

Auf ihrer Homepage hauen die Finnen ganz schön auf den Putz: „Bezahlt werden im Handumdrehen… Echtzeit-Benachrichtigungen zeigen dir bezahlte Rechnungen sofort an… bei Zahlungseingang erscheint sofort eine Benachrichtigung auf deinem Smartphone.“

Doc wie lange dauert es, Geld hin und her zu transferieren? Und wie schnell reagiert der Kundenservice auf eine Frage?

Die abwiegelnden Holvi-Formulierungen unter „Häufige Fragen und Antworten“ lassen nichts Gutes ahnen:
„Empfang von SEPA Überweisungen… bis zu 2 Tage nach Bearbeitung“. Das würde aber kaum zu einem agilen, hippen FinTech passen. Sondern wäre eher bei einer Steinzeit-Sparkasse zu erwarten…

„Eingehende Zahlungen“: „Eine Zahlung braucht bis zu zwei Werktage nachdem sie bei der Senderbank abgeschickt wurde, um auf deinem Konto anzukommen.“ Ist Holvi vielleicht doch kein Banking-Überflieger, sondern in Wirklichkeit eine niederbayerische Sparkasse?

„Überweisung zwischen zwei Holvi-Konten“: …“dann kann diese Zahlung einen Tag länger brauchen, da das Geld einmal aus unserem System hinaus und dann wieder hinein gehen muss.“ Noch einen Tag länger? Was machen die Finnen eigentlich mit dem Geld, das bei ihnen „hinein und wieder hinaus geht“? Gönnen sie den erschöpften Euronen vielleicht ein kleines Verschnauf-Päuschen?

Echtzeit-Test: Die Minuten der Wahrheit

Aber nun genug der Theorie. Und hin zum Terence Tester Echtzeit-Test: Wie schnell oder langsam arbeitet Holvi in der Realität?

Die erste Test-Überweisung startet um 12.10. Die App der Hausbank benachrichtigt Terence Tester eine Sekunde später: Das Geld wurde zu Holvi transferiert. Doch die Holvi-App schweigt. Keine automatische Mitteilung. Kein Geld auf dem nagelneuen Konto. Nicht nach zehn Minuten, zwanzig Minuten, einer Stunde. Erst um 18.30 summt die Holvi-App: Das Geld ist da. Hurra… Hat ja auch nur etwas mehr als sechs Stunden gedauert. Aber immerhin keine zwei Tage.

Vielleicht liegt´s an einer langsamen Leitung. Vielleicht eingefroren. In Helsinki herrschen schon Minusgrade und es schneit. Deshalb: eine zweite Test-Überweisung am nächsten Tag. Diesmal von Holvi zur Hausbank. Start 11.04 Uhr. Diesmal regiert die Holvi-App sofort: Das Geld wird transferiert. Mal sehen, wann es auf dem anderen Konto ankommt. Wieder vergehen die Minuten und die Stunden. Dieses Mal aber nur etwas mehr als drei. Denn um 15.26 meldet sich die App der Hausbank: Die Überweisung ist eingetroffen.

Zwischen-Fazit: Nicht so doll, Holvi

Und wie sicher ist mein Geld bei Holvi?

Schön dass das Geld wenigstens von einem Konto zum anderen fließt. Aber wie sicher ist es im Holvi-Kosmos? Das steht im Kleinstgedruckten. Und verpasst Terence Tester erst mal einen kleinen Schock. Denn Holvi ist keine Bank, sondern ein Finanzdienstleister: „Das von Holvi angebotene Konto ist ein Zahlungskonto, und die auf dem Konto gehaltenen Einlagen werden als getrennte Kundengelder geführt. Einlagen, die sich auf Zahlungskonten befinden, sind nicht über die Einlagensicherung geschützt.“

Also nicht wie bei einer Bank mit Sitz in Deutschland. Hier garantiert die staatliche Einlagensicherung pro Konto mindestens 100.000 Euro. Hinzu kommen weitere Sicherungs-Schirme der jeweiligen Bank.

Aber keine Panik. Der Holvi-Kunde ist nicht schutzlos. Denn Holvi verwaltet sein Geld auf einem separaten Konto, es ist kein Teil der Holvi-Bilanz. Sollte das finnische Wunder-Start-Up Pleite gehen, können die Holvi-Gläubiger nicht auf die Finanzen der Kunden zugreifen. Die User können ihr Geld also jederzeit wieder von dort abziehen.

Gesamt-Fazit: Holvi ist sicherlich einen Versuch wert. Die Angebote sind gut, das Einsteiger-Konto sogar richtig klasse. Die Tools funktionieren, sind schick und smart. Aber: Das Holvi-Tempo bei Transfers und Kundenfragen passt leider so gar nicht zum eigenen Anspruch. Um einen langjährigen Holvi-Kunden zu zitieren: „Mein einziger Grund, nicht den Service zu wechseln, ist ein winziger Rest-Hoffnungsschimmer dass sich hier tatsächlich was bewegt und vielleicht auch einige andere User Druck ausüben.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Also: Holvi, streng Dich wieder etwas mehr an! Und gib Gas beim Geld-Transfer und Kunden-Support. Dann gibt´s auch eine richtig gute Zensur. So ist die Gesamtnote: 3+

Fakten-Box:

Holvi Geschäftskonto „Builder“
– Werbung: Null Euro Gebühr, kostenlose Kreditkarte, 500 Überweisungen frei
– Realität: Stimmt alles
– Schicke Tools: übersichtliche App, Unter-Konten, Cash-Flow-Bilanz etc.
– Ungewöhnlicher Anlegerschutz: Separates Konto satt Einlagensicherung
– Lahmes Tempo: bei Geld-Transfers und Kunden-Support
Terence Tester Note 3+

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