Die „erste Bank, die du lieben wirst“ (Eigenwerbung) überzeugt mit einer hippen App, cleveren Zusatz-Services und drei übersichtlichen Konto-Modellen. Die einzigen Haken: ein seltsames Versicherungspaket und der immer noch nicht überzeugende Notfall-Service.

Depot Vergleich

Sie ist 3,5 Milliarden Euro wert, hat schon gut 3,5 Millionen Nutzer eingesammelt und ist der Schrecken aller traditionellen Kreditinstitute:

Die Online-Bank N26.

Die meisten Kunden sind zufrieden bis begeistert.

Sie freuen sich insbesondere über die schicke, extrem einfach zu bedienende App, die es ihnen spielerisch ermöglicht, ihre Einnahmen und Ausgaben zu kontrollieren (Eigenwerbung: „Damit du immer weißt, wofür du dein Geld verwendest“).

Das wussten in den vergangenen Monaten aber leider nicht alle.

Denn dieses Frühjahr bekam N26 so richtig Ärger. Viele Nutzer klagten über einen schwachen Kundenservice. Vor allem dann, wenn mal etwas nicht funktionierte (Konto gesperrt, Guthaben nicht zurücküberwiesen etc.).

N26 gab sich reumütig, gelobte Besserung und stockte die Zahl der Service-Mitarbeiter auf 800 auf (davor: 120).

Jetzt startet N26 die nächste Expansions-Stufe (seit Mitte Juli).

Höchste Zeit für einen Terence-Tester-Check:

  • Was ändert sich bei N26?
  • Wie gut sind die neuen/alten Produkte?
  • Ist der Kunden-Service wirklich besser geworden?

Was ist neu?

Die digitale Bank hat ihre Konten z.T. umbenannt und neu ausgestattet.

Die 3 Varianten heißen:

  • N26 / N26 Business
  • N26 You / N26 You Business
  • N26 Metal
Girokonto Vergleich

N26 / N26 Business:

Für dieses Standard-Konto verlangt die Bank weiterhin echte 0€Das gilt auch, wenn die Kunden in allen Welt-Währungen bargeldlos bezahlen.

Außerdem spendiert N26 eine kostenlose Kreditkarte – eine Mastercard (Debit-Card = jede Zahlung wird sofort vom Girokonto abgezogen).

Pluspunkt beim „N26 Business“:

Wer mit dieser Kreditkarte einkauft, bekommt 0.1%, seiner Umsätze als „Cashback“ am Ende des Quartals gutgeschrieben.

Das Bargeld-Abheben an Automaten innerhalb Deutschlands ist mit der Mastercard nicht immer kostenlos:

Kunden mit einem „Hauptkonto bei N26“ – 1000 Euro gehen jeden Monat dauerhaft ein – zahlen fünfmal pro Monat nichts, danach zwei Euro je Abhebung.

Alle anderen Kunden können sogar nur dreimal im Monat kostenlos Geld ziehen.

Ähnlich regelt N26 auch das Bar-Einzahlen:

100 Euro pro Monat lassen sich gebührenfrei auf das eigene Konto schaffen – danach kostet es 1,5 Prozent für jeden weiteren Euro. Dieser Einzahlungsservice funktioniert aber nur bei den N26-Partnern, z.B. Rewe, Penny, DM.

Die Überziehungszinsen sind mit 8,9% recht moderat, v.a. im Vergleich zu den Schröpfkonditionen a la Barclaycard & Co.

Wer Bargeld in einer Fremdwährung (=Nicht-Euro) abhebt, zahlt 1,7% Gebühren.

N26 You / N26 You Business

Diese Konto-Variante heißt jetzt nicht nur anders (vorher „Black“) sondern kostet auch mehr:

9,90€ pro Monat (bisher 5,90 Euro) – also immerhin 118,80€ im Jahr.

Auch hier ist die Master-Card eingeschlossen.

Das „You“-Konto bietet zwei Vorteile gegenüber dem Basis-Konto:

  • Die 1,7-Prozent-Gebühr fürs weltweite Geldabheben (Fremd-Währungen) entfällt
  • als weitere Zugabe bekommt man ein sogenanntes „attraktives Versicherungspaket“.

Der 1,7-Prozent-Bonus nützt allen, die oft und viel ausländisches Geld brauchen.

Ob sich dafür die 9,90€ Gebühren rechnen?

Nur, wenn man jedes Jahr einige Tausend Euro Fremdwährung im Ausland bar abheben will. Sonst nicht.

Das „attraktive Versicherungspaket“ enthält ausschließlich Policen der Allianz. Welch ein Zufall, dass die Allianz einer der großen Geldgeber von N26 ist…

Die im You-Konto enthaltenen Versicherungen sind umfangreich und insgesamt o.k. Das Paket beinhaltet aber nichts, was man nicht auch selbst günstiger abschließen könnte.

Und zwar dann, wenn man es gerade individuell braucht (z.B. Reiserücktritt, Auslandsreise-Krankenversicherung).

Das erscheint sinnvoller als der unübersichtliche 12-Verträge-Dschungel der Allianz mit viel, viel Kleingedrucktem.

Girokonto Vergleich

N26 Metal

Noch umfangreicher – und teurer – ist das Premium-Konto. N26 verlangt hierfür 16,90 Euro im Monat.

Also stolze 202,80 Euro im Jahr.

Zusätzlich zur You-Variante bietet es „exklusive Partnerangebote“ und einen „bevorzugten Kundenservice“.

Wie „exklusiv“ sind nun diese Offerten?

Naja.

Der „Metal“-Kunde bekommt

„Zugang zu Angeboten und Rabatten mit ausgewählten Topmarken, die alle auf einen modernen und mobilen Lifestyle angepasst sind. Genieße die Vorteile von Partnern wie WeWork, GetYourGuide und Hotels.com…“

Mal abgesehen vom etwas rumpelnden Deutsch:

Dieser angebliche Bonus klingt müde, matt, austauschbar – und ist den Preis-Aufschlag nicht wert.

Umso verlockender erscheint demgegenüber der „bevorzugte Kundenservice“:

„Brauchst du eine schnelle Antwort oder technische Hilfe? Unser Kundenservice-Team für Metal ist für dich da. Erhalte die Unterstützung, die du brauchst, übers Telefon oder im Chat.“

Klingt wunderbar.

Möchte man haben.

Aber:

Sollte ein solcher Service nicht selbstverständlich sein – und zwar für ALLE Kunden?

Oder will uns N26 etwa damit sagen, dass nur denen wirklich schnell geholfen wird, die jeden Monat zusätzlich 16,90 Euro zahlen?

Das wäre dreist. Und nicht „Metal“ sondern „Blech“.

Kunden-Service: Top oder Flop?

Das führt uns zum letzten Punkt des Terence-Tester-Checks:

Ist der heftig kritisierte allgemeine Kunden-Service wenigstens besser geworden?

Ein Blick in die Bewertungsportale zeigt:

Die Kritik nimmt ab, die Nutzer scheinen insgesamt zufriedener – bei fast allen Themen.

Mit zwei Ausnahmen:


1.) Starre Geschäftsbedingungen

Wer z.B. einmal ein „Premium-Konto“ („You“, „Metal“) geordert und wieder abbestellt hat, bekommt nie wieder eins.

Original-Begründung N26:

„Sofern einmal ein Premiumprodukt bestellt und widerrufen wurde, können wir dies durch den Aufwand nicht erneut anbieten. Uns als Bank entsteht dadurch ein Verlust, welchen wir auszugleichen haben um dies immer und immer wieder erneut, eventuell sogar immer wieder bei den gleichen Personen, ersetzen zu haben.“

Unser Urteil:

Den Text-Roboter bitte in der Sprache „Deutsch“ programmieren – und einen Schuss Service-Qualität hinzufügen.


2.) Geschwindigkeit

Wer nach Schließung des Kontos sein Geld zurückhaben möchte, muss geduldig sein.

Der Transfer kann schon mal vier, fünf Wochen dauern.

Auch hier die Original-Begründung von N26:

„Bei einem Chargeback wird das Geld über die Mastercard Policy zurückgeholt für welche es notwendig ist, diese als Dokument zuzusenden, damit dieses strukturiert ist und sowohl für unsere, als auch für die Unterlagen vom Kunden und Mastercard zugänglich ist und eingesehen werden kann.“

Hä? Aha.

Und warum dauert das so lange?

„Im Chat kann auch immer angefragt werden, ob es Neuigkeiten gibt, allerdings kann dies auch dauern, da zwischen N26, Mastercard und dem Händler alles ausgetauscht wird, sodass wir am Ende mit dem Ergebnis auf den Kunden zurückkommen, sodass eine Nachfrage nicht nötig ist.“

Schöner könnten das auch Mitarbeiter einer Volks-Spar-Bank nicht formulieren…


Wir lernen

In Sachen „Service“ hat N26 noch viel Luft nach oben.

Obwohl N26-Mitgründer Valentin Stalf schon vor Wochen sofortige „Schulungen“ für Mitarbeiter versprach und ein „Kompetenzteam“ ankündigte.

Aber so richtig „kompetent“ wirkt das Service-Team noch immer nicht.

In einem Schul-Zeugnis würde jetzt stehen:

„N26 war stets bemüht, den gestellten Anforderungen gerecht zu werden …“

Unser Fazit:

N26 ist eine schnelle, moderne Bank-Alternative.

Das Basis-Konto „N26 / N26 Business“ ist unbedingt empfehlenswert, die Varianten „You“ und „Metal“ sind eher etwas für Liebhaber.

Wenn N26 dann auch noch all die Service-Pannen mit den Kunden in den Griff bekommt – und sich so ausdrückt, dass die Nutzer auch verstehen, worum es geht:

Dann, ja dann, würde man all die anderen umständlichen Ärmelschoner-Banken tatsächlich nicht mehr brauchen.

Produktinfos Überblick für N26 Business

Konto, Kreditkarte, Girocardkostenlos
KreditkarteVisa Debit (Bargeld und Bezahlen in Europa kostenlos)
Überweisung, Dauerauftrag, Lastschriftkostenlos
Überziehungszins8,9% p.a.
Service-Hotlineverbesserungswürdig
Cashback0,1% am Endes des Quartals
Bargeldabhebung5mal monatlich 0€, danach 2€ pro Abhebung
Bargeldabhebung (in Fremdwährung)1,7%
Terence Tester Note2

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