Null Euro fürs Depot? Oder für den Kauf von Wertpapieren? Und sogar für den monatlichen ETF-Sparplan? Unmöglich? Von wegen! Die Billig-Broker („Neo-Broker“) kommen. Der Preiskampf rund ums rentable Geldanlegen erreicht (endlich) auch den deutschen Markt. Viele Cent-Fuchser haben schon lange darauf gewartet.

Geschäftskonto Vergleich

Gerade rechtzeitig nach dem Corona-Crash ist das halbe Dutzend voll: Nach „Trade Republic“, „Smartbroker“, „Gratisbroker“ und „Justtrade“ sind jetzt auch noch „Scalable Capital“ und „Bux Zero“ hierzulande gestartet.

Mit atemberaubenden Angeboten: Das Wertpapierdepot? 0 Euro. Der Kauf und Verkauf von Aktien, Fonds & Co? Fast immer zwischen 0 Euro und 1 Euro – für jeden Auftrag, unabhängig vom Volumen. Und die gerade so heiß begehrten monatlichen ETF-Sparpläne? Meist zwischen 0,00 Euro und 0,99 Euro pro Monat. Außer: Die Billig-Broker bieten diese Sparpläne (noch) nicht an.

Die bisherigen Günstig-Anbieter können da nicht mithalten – trotz der ebenfalls kostenlosen Depots. Ganz gleich ob Online-Broker wie „Onvista“ (7 Euro je Wertpapierorder) oder Direktbanken wie „Consors“ (9,95 bis 69 Euro) und „Comdirect“ (9,90 bis 59 Euro).((LINK „Bestes traditionelles Depot für ETF“))

Terence Tester will wissen: Welche Neo-Broker sind wirklich kostenlos, wer verlangt doch hier und da ein paar Euro, welche Finanzprodukte bieten sie an, wie gut ist ihr Service – und wie können sie sich ihre Kampfpreise überhaupt leisten?

Warum sind die Glorreichen Sechs so billig?

„Gratisbroker“ „Justtrade“ „Scalable Capital“ und „Bux Zero“ ist einfach: Fast alle Billig-Anbieter kaufen und verkaufen die Wertpapiere ihrer Kunden nur an einem einzigen Börsen-Handelsplatz – so etwa gettex (Bayerische Börse) oder Lang & Schwarz (LS Exchange). Dafür bekommen die Neo-Broker von ihren Geschäftspartnern eine finanzielle Belohnung („Kickback“) – so fließen z,B. 3 Euro je Kundenauftrag von „LS Exchange“ an „Trade Republic“ (siehe Allgemeine Geschäftsbedingungen AGB). Der Kunde merkt davon nichts.

Es kann ihm auch egal sein – so lange er nur 0 bis 1 Euro für jeden Kauf/Verkauf berappt. Wer aber Extrawünsche hat, zahlt drauf (bis zu 4 Euro pro Order für einen anderen Börsenhandelsplatz) oder der Billig-Broker bietet ihm diese Dienstleistung erst gar nicht an.

Ähnlich läuft es mit den „kostenlosen“ ETF-Sparplänen der Billig-Broker: Sie kooperieren meist nur mit ein oder zwei großen globalen ETF-Anbietern, bekommen dafür Geld, geben einen Teil davon an die Kunden weiter und ermöglichen ihnen so einen „kostenlosen“ oder zumindest günstigen monatlichen ETF-Sparplan.

Haken 1: Die vom Neo-Broker ausgewählten ETF-Anbieter sind nicht immer die besten und erfolgreichsten. Haken 2: Diese „kostenlosen“ ETF gibt´s nicht ewig für lau – irgendwann müssen die Kunden auch für diese Sparpläne etwas bezahlen. Aber was dann? Sollen sie ihren alten Sparplan kündigen und sich einen neuen suchen, der auch irgendwann einmal etwas kosten wird? Dazu sind die meisten Anleger zu bequem. Und genau das wissen die Billig-Broker.

Geld werfen

Wie gut sind nun die Glorreichen Sechs?


Auf den ersten Blick: verführerisch gut. Aber auch „Trade Republic“, „Smartbroker“, „Gratisbroker“, „Justtrade“, „Scalable Capital“ und „Bux Zero“ haben so ihre Macken. Das zeigen Terence Testers Kurzporträts:

Gratisbroker

  • Depotgebühr: 0 Euro
  • Gebühr Kauf/Verkauf: 0 Euro pro Order (Mindestvolumen 500 Euro)
  • Aktuelle Aktion: –
  • Mindestanlage
  • Guthabenzins: 0%
  • Überziehungszins: 14,0%
  • Wertpapier-Auswahl Aktien, 300 ETF (DWS, Amunmdi), Fonds, Optionsscheine, Zertifikate
  • Sparpläne: nein; aber geplant
  • Börsenplätze gettex (Bayerische Börse); kein außerbörslicher Handel
  • Kontoführende Bank: Baader Bank
  • Handel per: Smartphone, Tablet

Fazit: günstig, aber erst mit Sparplänen wirklich empfehlenswert

Trade Republic

  • Depotgebühr: 0 Euro
  • Gebühr Kauf/Verkauf: 1 Euro pro Order (kein Mindestvolumen/Höchstvolumen)
  • Aktuelle Aktion: –
  • Mindestanlage: –
  • Guthabenzins: –
  • Überziehungszins: k.A.
  • Wertpapier-Auswahl: Aktien, 300 ETF (iShares), Optionsscheine, Zertifikate
  • Sparpläne: 300 ETF-Sparpläne
  • Kosten Sparplan: 0 Euro je Ausführung
  • Börsenplätze: LS Exchange; außerbörslich HSBC
  • Kontoführende Bank: Solaris Bank
  • Handel per: Smartphone-App

Fazit: günstig – aber andere sind inzwischen noch billiger; Nutzer klagen über hängende App bei Börsen-Hochbetrieb.

Justtrade

  • Depotgebühr: 0 Euro
  • Gebühr Kauf/Verkauf: 0 Euro pro Order (Mindestvolumen 500 Euro)
  • Aktuelle Aktion: –
  • Mindestanlage: –
  • Guthabenzins: -0,5% Negativzins Verrechnungskonto
  • Überziehungszins: 9,0%
  • Wertpapier-Auswahl: Aktien, 1000 ETF (Amundi, DWS, iShares, Lyxor, VanEck, Vanguard, UBS), Optionsscheine, Zertifikate
  • Sparpläne: nein
  • Börsenplätze: LS Exchange, Quotrix; außerbörslich: UBS, Citi, Societe Generale, Vontobel
  • Kontoführende Bank: Sutor Bank
  • Handel per: Smartphone, Tablet, Desktop, App

Fazit: günstig und viele ETF; aber: keine Sparpläne, Negativ-Zins schreckt aktive Anleger ab.

Geschäftskonto Vergleich

Smartbroker

  • Depotgebühr: 0 Euro
  • Gebühr Kauf/Verkauf: 0 Euro pro Order (nur bei gettex, Mindestvolumen 500 Euro); sonst 1 bis 4 Euro pro Order (abhängig vom Handelsplatz)
  • Aktuelle Aktion: –
  • Mindestanlage: –
  • Guthabenzins: -0,5% Negativzins Verrechnungskonto (ab 15% Bargeld im Depot)
  • Überziehungszins: 10,45%
  • Wertpapier-Auswahl: Aktien, 1000 ETF (Amundi, DWS, iShares, Lyxor, VanEck, Vanguard, UBS), Optionsscheine, Zertifikate
  • Sparpläne: 1600 (ab 25 Euro/Monat)
  • Kosten Sparplan: 0,2 Prozent je Ausführung (mind. 0,80 Euro)
  • Börsenplätze: Xetra, Tradegate, Lang & Schwarz, gettex; außerdem: 16 außerbörsliche Handelspartner
  • Kontoführende Bank: DAB BNP Paribas
  • Handel per: Smartphone, Tablet, Desktop

Fazit: nicht immer günstig; andere Handelsplätze kosten bis zu 4 Euro/Order, abschreckender Negativzins, Sparpläne nicht kostenlos.

Scalable Capital (Free Broker)

  • Depotgebühr: 0 Euro
  • Gebühr Kauf/Verkauf: 0,99 Euro pro Order (ab 500 Euro)
  • Aktuelle Aktion: 50 Euro Prämie pro neuer Kunde (jeweils für Tippgeber + Kunde)
  • Mindestanlage: nein, aber 1000 Euro Startbetrag erforderlich
  • Guthabenzins: –
  • Überziehungszins: k.A.
  • Wertpapier-Auswahl: Aktien, ETF, Fonds, Aktien
  • Sparpläne: 1300 (ab 50 Euro)
  • Kosten Sparplan: erster kostenlos; danach 0,99 Euro/Monat
  • Börsenplätze: gettex (Bayerische Börse); kein außerbörslicher Handel
  • Kontoführende Bank: Baader Bank
  • Handel per: Smartphone, Tablet, Desktop

Fazit: günstig – aber andere sind noch billiger; viele Sparpläne, aber nur der erste ist kostenlos.

Bux Zero

  • Depotgebühr: 0 Euro, Ausnahme: 5 Euro/Monat ab 90 Tage ohne Handel („Inaktivität“)
  • Gebühr Kauf/Verkauf: 0 Euro pro Order; Ausnahme: 1 Euro je Limit-Order
  • Aktuelle Aktion: –
  • Mindestanlage: –
  • Guthabenzins: –
  • Überziehungszins: k.A.
  • Wertpapier-Auswahl: Aktien, Indizes, Devisen, Rohstoffe, Optionsscheine; geplant: ETF
  • Sparpläne: noch nicht, aber geplant
  • Kosten Sparplan: k.A.
  • Börsenplätze: Auswahl durch ABN Amro Bank
  • Kontoführende Bank: ABN Amro
  • Handel per: Smartphone, Tablet, Desktop

Fazit: nicht empfehlenswert wg. fehlender Detailangaben, versteckten Gebühren („Inaktivität“; „Limit-Order“), keine Sparpläne.

Geschäftskonto Ratgeber groß

Diese kleine Liste zeigt: Auch Null-Euro-Anbieter wollen Geld verdienen. Das effektivste Mittel: die gefährliche Gier ihrer Kunden. Der typische Anleger bei Trade Republic & Co. ist meist jung, börsen-unerfahren, aber trotzdem überaus selbstbewusst. Er geht davon aus, dass er besser ist als der Markt und handelt nicht nur viel sondern auch wagemutig. Damit wird er – trotz günstiger Preise und extrem niedriger Gewinnspannen – für die Billig-Broker zu einem lukrativen Kunden: Häufige Ordergebühren (bis zu 4 Euro, je nach Handelsplatz), happige Überziehungszinsen (bis zu 14 Prozent), bisweilen 0,5 Prozent Negativzinsen auf dem Verrechnungskonto (für aktive Daytrader kaum zu vermeiden) – ganz zu schweigen von den Kickbacks der Geschäftspartner…

Eine Warnung noch kurz vor Schluss: In hektischen Börsenzeiten funktionieren die Billig-Anbieter traditionell schlecht – oder gar nicht. So wie in der Corona-Krise. Dann stürzen auch mal Server ab und Wertpapiere lassen sich nur extrem verspätet handeln. Die Anleger verlieren dann viel Geld (durch Verluste oder entgangene Gewinne). Deshalb Terence Testers Tipp: Bevor man sich vorschnell für einen Neo-Broker entscheidet, erst mal lesen, wie ihn die anderen Nutzer so bewerten (bei Facebook, Trustpilot etc.).

Lernen in der Sonne

Terence Tester Fazit

Wer die vielen kleinen und großen Fallen vermeiden will, muss auch bei den sechs Billig-Brokern genau hinsehen. Und dann entscheiden, welcher Anbieter noch am besten zu ihm passt. Oder vielleicht doch ein paar Euro mehr ausgeben, um wirklich immer in Echtzeit handeln zu können – und evtl. sogar mal einen börsenerfahrenen Ansprechpartner ans Telefon zu bekommen.

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