Endlich höhere Zinsen? Bis zu 2,1 Prozent? Weltsparen macht´s möglich – durch Fest- und Tagesgeldkonten im Ausland. Aber: Wie gut sind die Zinsen wirklich, wie sicher die angepriesenen Banken und wie schnell arbeitet die Anlageplattform „weltsparen.de“?

Selbstbewusst sind sie ja, die Macher des Berliner Finanz-Start-Ups „Weltsparen“: „exklusiver Zugang zu attraktiven Tages- und Festgeldern aus ganz Europa“, beim „führenden Anbieter für einfache Spar- und Investmentprodukte“, denn hier ist „Ihr Geld in guten Händen“ dank der „hohen Integrität und Sicherheit unserer Partner“.

Weniger werblich ausgedrückt: Weltsparen ist ein Art Online-Shop, in dem Sparer europaweit nach höheren Zinsen fahnden können – zumindest höher als die 0,01 Prozent Witz-Zinsen, mit denen fast alle deutschen Banken ihre Anleger abspeisen (selbst die ehemaligen Zins-Wunder DKB und ING).

Weltsparen ist kein kleiner Fisch im Zinsteich. Sondern, um im Bild zu bleiben, ein ausgewachsener Riesen-Wels: Die Anlageplattform startete 2013, vermittelte den 215.000 Kunden seither Zinsprodukte der 86 Partnerbanken für gut 17 Milliarden Euro und finanziert sich durch die Provisionen dieser Finanzanbieter. 

Produkte, Sicherheiten, Service

Höchste Zeit, dass Terence Tester sich diesen selbsternannten Zinsjäger einmal genauer ansieht. Die Produkte, die Sicherheiten und den Service.

Beginnen wir mit den Zinsangeboten. „Bekommt man gute Konditionen nur noch über gute Kontakte?“, fragt Weltsparen rhetorisch. Um gleich selbst die Antwort zu geben: Nein, natürlich nicht – dafür gibt´s doch glücklicherweise Weltsparen! Denn wo sonst finden die in der europäischen Zinswüste nahezu verdursteten Anleger noch „Festgeldkonten mit bis zu 2,10 Prozent Zinsen pro Jahr“?

Girokonto Vergleich

Natürlich nur auf „weltsparen.de“. Aber wer ist dieser 2,10-prozentige Wohltäter? Und was muss man dafür tun? Nicht viel. Man gibt sein Geld einfach dem italienischen Banken-Start-Up „Illimity“ und bekommt dann 2,1 Prozent Zinsen pro Jahr. Vorausgesetzt, das Geld bleibt dort zehn Jahre lang liegen und „Illimity“ geht in der Zwischenzeit nicht Pleite.

Was aber leider nicht völlig unwahrscheinlich ist. Denn „Illimity“ bekommt von der Rating-Agentur „Standard & Poor´s“ nur die Note „BBB“ – ist also lediglich ein „Schuldner mittlerer Güte, der momentan zufriedenstellend agiert“. Und damit weit entfernt von der Best-Note „AAA“. Aber gar nicht so weit weg von der nächst-tieferen Bewertung „BB“, mit der „Illimity“ bereits ein „spekulatives Investment“ wäre.

Dieselbe Note „BBB“ bekommt übrigens auch der 1-Jahres-Spitzenreiter bei Weltsparen: die portugiesische „Haitong Bank“, eine Tochter der gleichnamigen chinesischen Investmentgesellschaft. Haitong lockt die Sparer mit 1,1 Prozent für Festgeld (Anlagedauer: 1 Jahr).

Auch Weltsparen kann nicht zaubern – schon gar nicht bei den Zinsen

Das Muster ist damit klar. Halbwegs hohe Zinsen gibt´s bei Weltsparen nur für hohe Risiken. Sonst nicht. Denn auch Weltsparen kann nicht zaubern. Schon gar nicht in der heutigen Null-Zins-Welt. Jeder Sparer muss also selbst entscheiden, ob ihm ein oder zwei Prozent Rendite diese Risiken wert sind.

Die besten Zinsen bei Weltsparen bieten Banken mit Namen, die kein Mensch kennt. Oder haben Sie schon mal von Addiko, Alior, Allied Irish, Anglo Austrian, Aros Kapital, Avida Finans oder der Bulgarian-American Credit Bank (BACB) gehört, um ganz vorn im Alphabet der Weltsparen-Partnerbanken anzufangen? Nein, noch nie gehört? Terence Tester auch nicht. 

Auslandkrankenversicherung

Deutsches Recht? Nicht ganz…

Und was sagt Weltsparen dazu? Man gibt zu, dass die Zins-Verträge mit den meisten Partnerbanken nicht unter das deutsche Recht fallen. Sondern „sich nach dem Recht des jeweiligen Landes unserer Partnerbanken richten“. Allerdings, so tröstet Weltsparen, „stimmen die Verträge im Wesentlichen mit deutschen Einlagenverträgen überein“.

„Im Wesentlichen“? Also nicht wirklich. Im Klartext: Statt der deutschen Einlagensicherung greift nur das nationale Recht der z.B. „Bulgarian-American Credit Bank“. Und das greift manchmal sehr, sehr kurz.

Die Älteren unter uns erinnern sich noch an die berühmt-berüchtigte „Kaupthing Bank“ aus Island. Dieses Geldhaus lockte 34.000 deutscher Sparer mit heißen Prozenten. Bot aber nur eisige Sicherheiten – sprich: die isländische Einlagensicherung. Es kam, wie es kommen musste: In der Finanzkrise 2008 ging die Kaupthing Bank hopps. Das Geld des isländischen Bankenfonds reichte bei weitem nicht aus. Die Sparer zitterten monatelang um ihre Einlagen. Am Ende bekamen sie zwar ihr Geld zurück. Allerdings eher durch einen Akt der Gnade Islands als durch ein verbrieftes Recht.

All das kann jederzeit wieder passieren. Muss nicht. Kann aber. Auch bei einer der vielen „Partner-Banken“ von Weltsparen. Oder wie war das mit der „hohen Integrität und Sicherheit unserer Partner“? .Immerhin verschweigt die Zins-Plattform dieses Risiko nicht. Sie könnte es aber deutlicher formulieren – findet Terence Tester.

Langsame Geld-Transfers, flotte Service-Mitarbeiter

Wie bewerten nun die Nutzer „Weltsparen“. Sehr gut. Auf dem Portal „Trustpilot“ vergeben sie die dort ziemlich seltene Note „Hervorragend“ (2709 Bewertungen).

Den Weltspar-Kunden gefällt:
– Die unkomplizierte Anmeldung
– Das breite Angebot an Zins-Konditionen
– Die schnellen Antworten der Online-Mitarbeiter
– Die individuellen Problemlösungen

Den Kunden missfällt aber:
– Die nur scheinbar großzügige Willkommensprämie
– Das lange Warten auf den Transfer ihres Geldes
– Die sich immer wieder verschlechternden Zins-Konditionen

100 Euro Willkommensprämie? Nicht für jeden

Tatsächlich wirbt Weltsparen überschwänglich mit „Jetzt bis zu 100 Euro Willkommensprämie sichern!“ Dieses Geld bekommt aber nur, wer 75.000 Euro anlegt und diese Summe auch durchgehend sechs Monate lang auf ein- und demselben Tagesgeldkonto lässt. Auch dann, wenn dort die ursprünglich so reizvollen Zinsen verdampfen. Wer aber nur zwischen 5000 und 10.000 Euro investiert, wird mit 10 Euro Willkommensprämie abgespeist. Und für weniger als 5000 Euro gibt´s gar nichts.

So richtig ärgerlich wird´s aber, wenn Weltsparen das Kapital der Kunden vertrödelt. Immer wieder klagen Nutzer, dass eingezahltes Geld bis zu „sechs Wochen lang in der Bearbeitung gelassen“ wurde, „ohne dass der Betrag angelegt worden ist“. Oder sie rügen, dass das von ihnen gekündigte Tagesgeld „nicht nach den versprochenen vier Tagen“ wieder auf dem Guthaben-Konto ist, sondern es  auch mal „12 Tage dauert, bis das Geld zur Verfügung steht“.

Ganz zu schweigen, dass sich inzwischen die Zins-Konditionen längst schon wieder verschlechtert haben könnten. Und dass dem Weltsparen-Kunde so ein womöglich lukrativer Deal entgeht (die damit verbundenen Risiken, s.o.).

Hilfsbereit und individuell: das Service-Team

Und wo bleibt das Positive, Terence Tester? Kommt schon. Das Service-Team von Weltsparen scheint Weltklasse zu sein. Wann auch immer ein User etwas kritisiert – er bekommt sofort Antwort. Noch besser: Diese Antworten entstammen nie dem stereotypen Wortbau-Kasten wie bei vielen „Support-Centern“. Stattdessen behandeln die Kunden-Helfer jedes einzelne Problem individuell. Und lassen offensichtlich auch den einen oder anderen Trost-Euro springen.

Kleine Kostproben (z.B. auf Trustpilot):
– „Wir hatten Sie bereits mehrfach kontaktiert, um eine gemeinsame und vor allem für Sie zufriedenstellende Lösung zu finden und freuen uns, dass wir heute miteinander sprechen und einige Punkte klar stellen konnten.“
– „Wir bedanken uns für das eben geführte Telefonat und freuen uns, wenn wir eine gemeinsame Lösung finden können.“

Das freut die ursprünglich verärgerten Kunde natürlich: „So wurden unserem Konto anteilig die anfallenden 2-Jahres-Zinsen gutgeschrieben zuzüglich einer Aufwandsentschädigung für unsere Dispositionen.“

Positiver Nebeneffekt für Weltsparen. Die fleißigen Service-Engel vermeiden durch ihren Einsatz schlechte Noten für Ihren Arbeitgeber („Herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung und die Anpassung Ihrer Bewertung. Wir haben uns sehr gefreut, alle offenen Punkte gemeinsam mit Ihnen klären zu können.“)

Fazit

„Weltsparen“ ist eine gute Idee. Das Portal hilft vielen Sparern, ein paar Zehntelprozente mehr Zinsen herauszuholen. Schade nur, dass auch Weltsparen jetzt in die akute Rendite-Dürre geraten ist. Dafür können die Zinsjäger zwar nichts. Sie sollten ihre Kunden aber deutlicher über die hohen Risiken der scheinbar so günstigen Angebote von der Rest-Zins-Rampe informieren. Ein dickes Plus gibt´s für den erstklassige Kundenservice.
Deshalb: Gesamtnote 3+

Kurz und knapp:
Zinsportal „Weltsparen“
– Schnelle, unkomplizierte Anmeldung
– Viele europaweite Zins-Angebote
– Hohe Risiken der wenigen lukrativen Konditionen
– Extrem trödeliger Geld-Transfer
– Hilfsbereiter, individueller Kundenservice
Gesamtnote: 3+

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