Das wichtigste in Kürze:

  • Werbung: „Alle Leistungen inklusive“: „Concierce Service 24/7“, „Airport-Lounges“, „umfassend versichert“ „weltweit kostenlos Bargeld, an jedem Geldautomaten“
  • Realität: Alles stimmt. Seit April bekommen auch normale Privatkunden die Luxus-Karte „Visa Infinite“ – bisher bot die HVB sie nur ausgewählten Klienten an
  • Der Haken: Das Versicherungspaket ist zwar „umfassend“, aber nicht so perfekt wie der Rest – z.B. übliche Hürden bei Reiserücktritt, Gepäck und Einkäufen
  • Preis: 598,80 Euro p.a. für Platinum-Konto und „Unendlich“-Karte, keine weiteren Kosten oder Selbstbeteiligungen
  • Empfehlung:Wenn schon eine Alleskönner-Kreditkarte (inkl. Konto) für knapp 600 Euro im Jahr, dann diese. Wer aber all diesen Service-Klimbim nicht braucht, dem genügt auch ein kostenloses Stück Bezahl-Plastik.
Kreditkarten

Mega-Kreditkarte (fast) ohne Makel

„Neue Dimension“

„Unbegrenzte Möglichkeiten“

„Unendlich vielfältig wie das Leben“

Was uns die gute alte HypoVereinsbank (HVB) da vorsetzt, klingt mehr nach den Weiten des Weltraums als nach irdischem Bankgeschäft mit nervigen Privatkunden.

Aber die HVB meint es mit ihrer aktuellen Privatkunden-Offensive – diesmal – ernst. Die Unicredit-Tochter kombiniert ihre beiden besten Produkte und bietet dieses Luxuspaket erstmals ihren Privatkunden an (bisher nur ausgewählten vermögenden Klienten):

  1. Das Konto „HVB Platinum“ („Neue Dimension“)
  2. Die Kreditkarte „HVB Visa Infinite“ („Unendliche Möglichkeiten“)

Was verlangt die Bank dafür? Heftige 598,80 Euro in Jahr (49,90 im Monat).
Was bietet sie im Gegenzug? Alles was sie kann und hat – das ist ganz schön viel. Alle nur erdenklichen Dienstleistungen sind inklusive:

  • Die Airport-Lounges („Priority Pass“) in 850 Flughäfen, 300 Städten und 200 Ländern (auch für Billig-Ticket-Reisende)
  • Der 24-Stunden-Concierge-Service (Reservierungen, Buchungen, Zugang zu Top-Events)
  • Das weltweit kostenlose Bargeld in allen Währungen (per Kreditkarte am Geldautomat), die Bank übernimmt sogar alle Fremdkosten

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  • Die bis zu 99 zusätzlichen weiteren Privatkonten (alle Währungen)
  • Das Versicherungspaket (Reiserücktritt bis 20.000 Euro, Krankheit, Gepäck, Einkäufe)
  • Der VIP-Hotel-Service (garantiert bester Preis, automatisches Upgrade)
Geld Origami

Wirklich alles im Preis inbegriffen

Das schöne Wörtchen „alles inklusive“ stimmt selten. Hier schon: Keine zusätzlichen Kosten, keine Gebühren, keine Selbstbeteiligungen. Terence Tester hat sich durch viele, viele Seiten Kleingedrucktes gefräst („Preis- und Leistungsverzeichnis“). Fast schon verzweifelt auf der Suche nach einem Haken. So wie bei seinem „Lieblings“-Anbieter American Express („Protz-Platin für Wichtigtuer“) – mit bis zu 6 Prozent Bargeldkosten und äußerst löchrigem Versicherungsschutz.

Aber Terence Tester hat bei der „HVB Visa Infinite“ (so gut wie) nichts gefunden. Bis auf den hohen Preis, bisweilen knausrige Airport-Lounges und die nicht immer zufrieden stellenden Versicherungsleistungen.

Die kleinen – und etwas größeren – Ärgernisse rund um die HVB Visa Infinite

Klar: Der Preis ist happig. Knapp 600 Euro im Jahr für eine Kreditkarte mit angeschlossenem Girokonto. Aber erstens: Die HVB hat dafür schon mal 800 Euro verlangt. Und zweitens: Andere Anbieter in diesem absoluten Luxus-Segment sind noch teurer – und/oder überlassen ihre Edelkarten keinen Normalsterblichen (z.B. „Mastercard World Elite“, „Amex Centurion“).

Weniger erfreut ist Terence Tester hingegen darüber, wie der Lounge-Partner „Priority Pass“ die Gäste der HVB-Nobel-Kunden behandelt: schlecht. Denn sie dürfen nicht kostenlos rein – ganz gleich ob Familienmitglieder oder andere Begleitpersonen. Im Klartext: „Für Ihre Gäste werden der HVB Visa Infinite Card 22 Euro pro Person und Besuch belastet.“ Das mag sinnvoll sein, um Schmarotzer abzuschrecken. Ist aber auf diesem Kreditkarten-Niveau nicht akzeptabel. Sondern einfach nur extrem knausrig.

Noch ärgerlicher sind einige Detail-Bedingungen des Versicherungspaketes. Kein Wunder, es kommt ja auch von der Ergo – den wohl einfallsreichsten Leistungsverweigerern und Fußnoten-Königen unter den großen deutschen Versicherungs-Konzernen.

Terence Testers wichtigste Kritikpunkte

1.) Die Reiserücktrittversicherung.

Anders als die HypoVereinsbank glauben machen möchte („20.000 Euro je Reise für Stornokosten, Umbuchungsgebühren aller versicherten Personen“) kann auch ein Infinite-Kunde nicht einfach so kostenlos seine Reise absagen. Die Ergo-Versicherung rückt z.B. keinen Cent heraus, wenn der Grund für die Stornierung eine „Pandemie“ ist (so wie die weltweite Corona-Epidemie…). Oder wenn die Bundesregierung für das Urlaubsziel eine „Reisewarnung“ veröffentlicht hat (so wie von Mitte März bis Mitte Juni 2020 für die halbe Welt…).
Aber auch in allen anderen Fällen zahlt die Ergo nur wenn, der Versicherte „unerwartet schwer erkrankt“ ist. Er muss dann nicht nur „ein ärztliches Attest mit Diagnose und Behandlungsdaten“ einreichen. Nein, Ergo kann von ihm sogar zusätzlich „ein fachärztliches Gutachten“ verlangen.

2.) Die Reisegepäckversicherung.

Sie sichert zwar grundsätzlich bis zu „5.000 Euro pro Person“ ab. Leistet aber nicht, wenn der Versicherte sein Gepäck irgendwo vergisst oder liegenlässt – Terence Tester weiß aber, wie schwer man Ergo & Co. das Gegenteil beweisen kann…. Außerdem sind viele für eine Reise notwendige Dinge nicht mitversichert: So z.B. Geld, Wertpapiere, Fahrkarten, Brillen, Kontaktlinsen. Selbst für Videokameras, Fotoapparate oder Handys zahlt die Versicherung nur die branchenüblichen 50 Prozent – und auch das nur, wenn diese Gegenstände nicht im Koffer sind (also nicht „als Reisegepäck aufgegeben“ sind).

3.) Die Einkaufsversicherung.

Auch hier sind die Versicherungsbedingungen nur scheinbar großzügig („3000 Euro pro Versicherungsfall“, bis zu „15.000 Euro pro Kalenderjahr“). Aber erstens muss der Kunde seine Einkäufe mit der „HVB Infinite Card“ bezahlt haben. Und zweitens sind die wirklich wertvollen Gegenstände natürlich wieder einmal nicht versichert – wie z.B. Schmucksachen, Uhren, Edelmetalle, Edelsteine oder Elektrogeräte.

Zugegeben: Das alles ist nicht wirklich gravierend. Und ist auch nicht schlechter als die meisten anderen Reise-Policen. Aber bei einem Premium-Versicherungspaket für eine „Unendlich“-Kreditkarte darf man schon etwas mehr verlangen. Sehr positiv findet Terence Tester hingegen, dass es sich hier immerhin um eine deutsche Versicherung handelt. Mit deutschem Verbraucherrecht, deutschem Versicherungsombudsmann und ohne einen einzigen Cent Selbstbeteiligung. Andere Anbieter kassieren da von den Versicherten schon mal 10 Prozent der Kosten für Krankenhaus, Reisestorno etc.

Unser Fazit:

Wer Alles-Könner-Kreditkarten toll findet und bereit ist, dafür knapp 600 Euro im Jahr hinzublättern – der ist mit der „HVB Visa Infinite Card“ gut aufgehoben. Allerdings sollte die HypoVereinsbank für ihre Highend-Kunden an einigen Stellen noch nachbessern: rundum kostenlose Lounges, ein noch dichteres Versicherungsnetz mit noch kundenfreundlicheren Bedingungen usw.
Wer all das nicht will oder braucht, liegt aber auch nicht falsch. Sondern besorgt sich eine der vielen guten bis sehr guten Null-Euro-Kreditkarten, erledigt damit ebenfalls kostenlos all seine Geldangelegenheiten – und kauft sich den meisten anderen Krimskrams bei Bedarf selbst dazu.
Nichtsdestotrotz: Weil das Gesamtpaket der „HVB Infinite Visa“ stimmt, vergibt selbst der stets strenge Terence Tester hier die Gesamtnote 2 („gut“)

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Wahrheitssucher
Wahrheitssucher
19. Juni 2020 10:52

Interessant! Bin aber mal gespannt, wie lange die HVB Ihre ehrgeizige Privatkunden-Offensive diesmal durchhält….

Hier gehts zum Kreditkarten-Vergleichsrechner: