Sie kostet ein kleines Vermögen. Verschafft ihrem stolzen Besitzer Zugang zu VIP-Lounges, Nobel-Restaurants, ausverkauften Konzerten und sichert ihn auf allen Reisen weltweit ab. Sagt American Express. Doch ist die Platin-Karte wirklich ihr Geld wert?

Depot Vergleich

Jetzt trommeln sie wieder: „Für außergewöhnliche Momente gibt es eine außergewöhnliche Karte“ – die „American Express Platinum“. Inzwischen sogar aus Metall statt Plastik. Ohne Aufnahmegebühr (sonst 300 Euro), dafür aber mit Startguthaben (bis zu 200 Euro) für läppische 660 Euro im Jahr. Und das alles für „weltweite Vorteile“, einen „persönlichen Platinum Service“ und „umfangreichen Versicherungsschutz für Sie und Ihre Familie“.

Das klingt nach viel. Ist es aber nicht. Auch wenn American Express protzt: „Ihre Platinum Card lässt Sie immer wieder aufs Neue das Besondere erleben.“ Aber was ist dieses „Besondere“? Etwa das „besondere“ Gefühl, wenn – die Amex Service-Hotline mal wieder nicht reagiert – die Auslandskrankenversicherung nicht zahlt – oder Bargeld im Ausland unverschämt teuer wird?

Aber der Reihe nach. Auf fast 100 Seiten listet American Express alle nur erdenklichen Vorzüge der Wunderkarte auf. Versteckt aber die größten Mängel im Kleinstgedruckten. Lauter dicke Patzer, die definitiv nicht zu einer angeblichen Platin-Karte passen.

Platin-Patzer 1: Bargeld am Automaten

Wer mit seiner Wunderkarte Geld ziehen will, zahlt krasse vier Prozent des Betrages als Gebühr an Amex (Mindestgebühr 5 Euro). Bei standesgemäßen 1.000 Euro kassiert American Express also schon mal 40 Euro.

Egal ob es die eigene Bank oder eine fremde ist. Es kommt noch besser: Im Ausland (außerhalb der Eurozone) schlagen die Platin-Wucherer weitere zwei Prozent drauf.

„Abhebegebühr“ und „Fremdwährungsgebühr“ summieren sich somit auf sechs Prozent: Das sind 60 Euro, wenn man 1000 Euro seines eigenen Geldes abhebt.

Selbstverständlich streicht Amex die zwei Prozent „Fremdwährungsgebühr“ auch bei jedem bargeldlosen Einsatz der Karte ein (als „Entgelt für Umrechnung von Fremdwährungen“).

Girokonto Vergleich

Platin-Patzer 2: Malus-Programm

Das angeblich so tolle Bonusprogramm „Membership Rewards“ entpuppt sich schnell als ein ziemlicher Flop. Bei einem Euro Umsatz bekommt man zwar einen Punkt – für diese Punkte aber so gut wie nichts (z.B. eine Sonnenbrille für 49.800 Punkte). Noch ärgerlicher: Wer seine Membership-Rewards in Prämienflüge tauschen will, zahlt meist deutlich mehr, als wenn er selbst bucht und Sonderangebote nutzt.    

Platin-Patzer 3: Die Krankenversicherung für Reisen im Ausland

Der „umfangreiche Versicherungsschutz für Sie und Ihre Familie“ gilt immerhin für private Auslandsreisen bis 120 Tage. Das war´s aber auch schon an guten Nachrichten. Denn der von American Express beauftragte Krankenversicherer „Inter Partner Assistance“ (IPA) bezahlt im Krankheitsfall keine 100 Prozent.

Sondern lässt den Platin-Kunden auf zehn Prozent seines Schadens sitzen („mindestens 100 Euro, höchstens 500 Euro“). Zum Vergleich: Seriöse private Auslandsreise-Krankenversicherungen erstatten alles und kosten im Schnitt nur 20 Euro pro Jahr.

Mindestens ebenso ärgerlich sind die vielen wachsweichen Formulierungen im Versicherungs-Kleingedruckten: IPA übernimmt nur „notwendige Kosten“ in einem „angemessen ausgerüsteten Krankenhaus“ und selbst das nur „falls erforderlich“.

Man muss kein Jurist sein, um zu ahnen, dass der stolze Besitzer einer „außergewöhnlichen Kreditkarte“ mit dieser Versicherung um jeden Euro feilschen muss.

Denn: „Alle Kosten müssen im Voraus vom Assistance Erbringer genehmigt werden“ und „Kosten, die nicht vom leitenden Arzt des Versicherers genehmigt wurden“ werden nicht erstattet. Gleiches gilt für Kosten, bei denen sich der Amex-Kunde „geweigert hat, dem Rat des leitenden Arztes des Versicherers zu folgen“.

Auslandkrankenversicherung

Platin-Patzer 4: Die Reiserücktritt-Versicherung

Um es kurz zu machen:

Es gelten ähnlich üble Konditionen wie beim Auslandskranken-Schutz. Doch die zehnprozentige Selbstbeteiligung liegt hier sogar zwischen 100 und 600 Euro. Also bei 600 Euro für eine abgesagte 6000-Euro-Reise.

Auch hier bietet der freie Markt wirklich günstige und kundenfreundliche Angebote – statt der kläglichen Versicherungsleistungen einer mega-teuren Kreditkarte.

Platin-Patzer 5: Die Mietwagen-Versicherung im Ausland

Die Versicherung steht zwar immerhin für Vollkasko-Schäden bis 75.000 Euro ein. Verlangt aber erneut einen Selbstbehalt (200 Euro). Clever ist, wer lieber einen günstigen eigenen Vollkasko-Schutz ohne Selbstbeteiligung bucht.

Platin-Patzer 6: Fehlender Verbraucherschutz

Die größte Unverschämtheit kommt zum Schluss. Für die von American Express beauftragte Versicherung „Inter Partner Assistance“ (IPA) gilt nicht das deutsche Verbraucherrecht. Sondern irisches Recht.

Wer sich also mit IPA streitet – was angesichts der dürftigen Leistungen und schwammigen Formulierungen mehr als wahrscheinlich ist –, der darf sich nicht an den deutschen Versicherungsombudsmann wenden.

Das ist von Amex ziemlich feige: Denn der deutsche Schlichter kann alle Streitfälle bis 5.000 Euro allein und endgültig entscheiden – die Versicherung ist daran gebunden. Aber genau das will American Express offensichtlich vermeiden.

Platin-Service? Blech-Leistung!

Kein Wunder, dass sich auf Kundenportalen wie „Trustpilot“ die große Mehrheit der User extrem negativ über American Express äußert: 61 Prozent der 526 Bewerter geben dem Unternehmen die schlechteste Gesamtnote „ungenügend“.

Viele kritisieren sogar ausdrücklich die „American Express Platinum Kreditkarte“. Unter anderem wegen „Abbuchungen trotz gesperrter Karte“, wegen eines „nicht existenten Kundenservices“, des „jämmerlichen Versendens von Textbausteinen“ und natürlich wegen des Klassikers, dass „American Express weltweit immer noch nicht so akzeptiert wird wie Visa oder Mastercard“.

Fazit 1:

American Express holt sich die meisten der ohnehin recht schwachbrüstigen Leistungen von den Platin-Kunden zurück – durch eine happige Jahresgebühr (600 Euro), heftige Gebühren beim Bargeldabheben, hohe Selbstbehalte beim Versicherungsschutz oder gar durch die verweigerte Erstattung von Krankheits-Kosten.

Fazit 2:

Wer also statt seines Sportwagenschlüssels lieber eine Platin-Kreditkarte auf den Restauranttisch legen möchte oder wer in einer von 700 Airport-VIP-Lounges heimlich über seine hohen Bargeldbeschaffungskosten weinen möchte – für den mag die American Express Platinum Karte das richtige sein.

Er darf nur nicht daran denken, dass er nahezu all diese Vergünstigungen auch schon mit einer Amex Gold-Karte bekommen würde (für 140 statt 660 Euro pro Jahr).

Doch wie schreibt American Express so schön: „Für außergewöhnliche Momente gibt es eine außergewöhnliche Karte.“ Stimmt. So außergewöhnlich, dass man sie nun wirklich nicht braucht.

Kurz und Bündig*: Die wichtigsten Vor- und Nachteile der Amex Platinum


Vorteile

Nachteile
ImageHoher Preis: 660 Euro pro Jahr, 300 Euro Aufnahmegebühr
Vielversprechendes Versicherungspaket (Reise, Gesundheit)Teures Bargeld am Automaten: 4 bis 6 Prozent (Eurozone, übriges Ausland)
Platinum Service, Vip-Lounges Flughäfen, UpgradesÜberhöhte Kosten für Versicherungsschutz (andere Anbieter günstiger)
Viele Ausschluss-Klauseln bei Versicherungspaket
Kein deutsches Versicherungsrecht (sondern z.T. irisches)
Überflüssiges Bonusprogramm „Membership Rewards“
Weniger oft akzeptiert als Visa oder MasterCard

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Quetler
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Quetler
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Ziemlich einseitige Darstellung der Platinum. Warum wird nicht erwähnt, dass ich mit der Platinum 7 (!) kostenlose Zusatzfragen bekomme? Eine Platinum für die Frau. Die anderen 5 als Goldkarte. Warum wird nicht näher auf den Priority pass eingegangen? Diesen gibt es nämlich in der Version kostenlos dazu, welche, wenn ich den priority pass einzeln kaufe, 400€/ Jahr kostet. Da die Ehefrau mit Partner Platinum ebenfalls einen kostenlosen priority pass bekommt, summieren sich allein hier die Vorteile auf rd.800€/ Jahr. Und da reicht es schon, 3 x im Jahr zu Fliegen, um die Lounges zu nutzen. Warum wird nicht auf das… Weiterlesen »

Mike
Gast
Mike

Alles auf den Punkt gebracht! Genau meine Meinung, finde den Artikel schwach….
Vielleicht kommt bald ein Artikel wie Toll Miles and More, Visa, Master oder sonstige sind. Warscheinlich hat Amex nichts für deinen Blogeintrag gezahlt deswegen so schlechte Kritik 😀

SebSMUC
Gast
SebSMUC
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Sachlich recherchiert und mit der nötigen Portion Sarkasmus geschrieben, herrlich zu lesen. Freue mich auf weitere Bewertungen!

Investigator
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Investigator

Sehr schön. Endlich mal eine nicht oberflächliche Beurteilung dieser Karte. Weiter so!

Gast1
Gast
Gast1
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Da spricht einer über etwas, was er selbst noch nicht getestet hat. Interessant. Sicher gibt es auch Nachteile, aber die Vorteile könnte man doch auch mal ansprechen.

BW
Gast
BW

Leider eine sehr einseitige Darstellung. Einige der Vorteile fehlen, wie z.B. die Status bei verschiedenen Hotelketten sowie Autovermietern, die man automatisch mit der Karte bekommt, der Priority Pass, der etwas umschrieben durch den Loungezugang angerissen wird, die 200€ Reiseguthaben und 200€ Sixt-Guthaben sowie die (zu meinem eigenen Erstaunen) teilweise deutlich günstigeren Hotelpreise auf dem Amex-Portal (Vergleich mit Booking und Agoda). Zudem ist das Membership Rewards Programm besser als es hier beschrieben wird. Ich habe bspw. in diesem Jahr ein Hotel mit meinen Punkten bezahlt und habe so im Austausch gegen 50.000 Punkte immerhin 280€ erstattet bekommen. In Kombination mit den… Weiterlesen »

Finanzmagnet
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Finanzmagnet
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Cooler Artikel.

Häufige Fragen zur Amex Platinum

Welches sind die größten Vorteile der Karte?

Ganz klar der Image-Faktor: Wer sie besitzt, möchte zeigen, dass er oder sie es sich leisten kann. Verlockend klingen auch die „Platinum“-Leistungen (weltweite Reise- und Krankenversicherung, Zugang zu VIP-Lounges oder Nobel-Restaurants…) – die aber nicht immer wirklich „premium“ sind.    

Welche Versicherungen sind inklusive?

Auslandskrankenversicherung (bis 120 Tage pro Jahr, Selbstbeteiligung 10 Prozent aber höchstens 500 Euro), Reiserücktritt (bis 6000 Euro, 10 Prozent Selbstbeteiligung), Reisegepäck (bis 3000 Euro, 10 Prozent Selbstbeteiligung)
Mietwagenversicherung (Kaskoschaden bis 75.000 Euro, 200 Euro Selbstbeteiligung).
    

Ist die Karte wirklich aus Platin?

Natürlich nicht. Aber seit 1.7.2019 immerhin aus Metall statt wie bisher aus Plastik. Neukunden bekommen die Metall-Variante sofort, Bestandskunden erst zwischen Oktober und Dezember 2019. 

Worin unterscheidet sich die private Amex Platinum von der Amex Platinum Business?

Die Business-Variante ist etwas teurer (700 statt 660 Euro pro Jahr) – und nur für Selbständige, Freiberufler oder Angestellte einer Firma. Die Leistungen sind gleich.
– Ein wichtiger Vorteil der Business Platinum gegenüber der privaten Karte: Sie umfasst alle Versicherungen unabhängig vom Karteneinsatz. Also auch wenn z.B. die Auslandsreise oder der Mietwagen nicht mit der Amex Platinum bezahlt wurden.
– Außerdem bekommt der Business-Kunde eine geschäftliche Karte (aus Metall) und eine private (aus Plastik), damit sich die Zahlungen trennen lassen. Denn die Business-Karte darf nur für geschäftliche Umsätze eingesetzt werden, nicht für private. 

Wie zufrieden sind die Nutzer, welche Erfahrungen haben sie gemacht?

Das Portal „Trustpilot“ liefert ein schwaches Ergebnis: Die 524 Bewerter (Stand 10.9.2019) verpassen American Express (allgemein) die Gesamtnote „mangelhaft“ – davon vergeben 61 Prozent ein „ungenügend“, aber auch 26 Prozent „hervorragend“. Überraschend viele Urteile beziehen sich ausdrücklich auf die Platin-Karte. Die häufigsten Kritikpunkte hier: mangelhafter Service, überforderte Mitarbeiter, falsche Auskünfte am Telefon, übereilte Karten-Sperrungen und lange Wartezeiten auf wichtige Unterlagen (Versicherungsschutz, Priority Pass etc.).    

Wie funktionieren der Amex Priority Pass und das Priority Boarding?

Der Pass gewährt Platinum-Kunden am Tag des Fluges Zugang zu 1200 Lounges in gut 130 Ländern – unabhängig von Airline oder gebuchter Klasse. Nötig sind: Priority Pass, Bordkarte und Ausweis. Wer eine Platinum-Haupt- oder Zusatzkarte hat, kann je eine Person zusätzlich mit in die Lounge nehmen.
Der schnelle Einstieg ins Flugzeug (Priority Boarding) ist hingegen nichts Besonderes. Diesen Service genießen auch die Besitzer vieler anderer Kreditkarten und Flugtickets. 

Wie lassen sich mit der Karte Punkte für Miles & More sammeln, einlösen und umwandeln?

Pro Euro Umsatz gibt’s einen Punkt beim Programm „Membership Rewards“. Diese Punkte lassen sich für Produkte, Reisen oder Flüge einlösen (über www.membershiprewards.de). Man kann sie aber auch in Angebote anderer Amex-Partner umwandeln („Punktetransferprogramm“). Das funktioniert über die Webseite oder telefonisch per Kundenservice.
Sonderfall „Miles & More“: Dieses Programm ist kein direkter Partner von Amex. Daher lassen sich die Membership Rewards-Punkte nur indirekt umwandeln – per Umweg über Payback (auf der Amex-Homepage unter „Zahlen mit Punkten“). Dazu muss man zuvor jedoch sein Paypack-Konto mit dem Konto von Membership Rewards verbinden. Erst dann lassen sich die Payback-Punkte in Miles & More Meilen transferieren.
    

Fakten-Check

Amex Platinum („Membership Rewards“) vs. vergleichbare Miles & More-Karten
– Kostenlos für Platinum Card-Inhaber (Hauptbesitzer) und alle, die eine Teilnahme beantragt haben
– Für jeden mit der Karte bezahlten Euro schreibt Amex einen Punkt gut
– Bei Sonderaktionen lassen sich mehr Punkte pro Euro einstreichen
– Der Amex-Kunde darf seine Punkte nicht an Dritte übertragen
– Die Homepage www.membershiprewards.de  zeigt, wofür man die erworbenen Punkte einlösen kann: z.B. für eine Sonnenbrille (49.800 Punkte). Auch Flüge (ab 15.000 Punkten) sind möglich.
– Erfahrene Amex-Kunden warnen aber davor, die Punkte für Prämienflüge zu nutzen: Wegen der von Amex zusätzlich verlangten Gebühren und Steuern ist es oft deutlich günstiger, Flüge selbst zu buchen und dabei Sonderangebote zu nutzen.
– Fazit: Genau dieselben Vor- und Nachteile wie bei klassischen Miles & More-Karten.
    

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