„Barclaycard kündigen“ – erstaunlich viele User suchen bei Google nach genau diesem Inhalt.

Aber warum nur sollte man eine solche scheinbare Tip-Top-Kreditkarte wie die „Barclaycard Visa“ überhaupt kündigen?

Weil sie nichts anderes ist als ein raffinierter aber völlig überteuerter Ratenkredit.

Geld Origami

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein:

Eine wirklich kostenlose Kreditkarte, mit der man auch tatsächlich weltweit gebührenfrei bezahlen und Geld abheben kann.

Dieses Wunderwerk der Finanzindustrie heißt „Barclaycard Visa“, ist von der in Irland ansässigen Barclays Bank und wird von ihrer Deutschland-Tochter in Hamburg vertrieben.

Und die haut in ihrer Werbung ordentlich auf den Putz.

Mal sehen, ob das auch alles so stimmt.

„Sie wollen keine Jahresgebühr für Ihre Kreditkarte zahlen? Dann lassen Sie es doch einfach. Die Barclaycard Visa kostet nämlich keinen Cent Jahresgebühr – ein Leben lang.“

Stimmt.

Selbst das offizielle Preis-Leistungsverzeichnis bekräftigt dieses Null-Euro-Versprechen.

Auch im zweiten Jahr (oder später) wird nichts teurer. Dafür gibt´s einen Pluspunkt. 

„Sparen Sie die häufig anfallenden 1,99 % Fremdwährungsgebühren. Mit der Barclaycard Visa ist der Karteneinsatz weltweit für Sie gebührenfrei.“

Auch das stimmt.

Fast.

Denn einige örtliche Betreiber von Geldautomaten kassieren gelegentlich doch irgendeine Zusatzgebühr.

Für diese Gebühr kann Barclaycard aber nichts.

Erstattet sie auch nicht.

Weist aber klar und deutlich darauf hin.

Auch hierfür: ein Pluspunkt.

„Und der Clou: Sie gleichen Ihr Konto aus, wie es Ihnen am besten passt.“… „Ob in einer Summe oder in Teilbeträgen: Mit Ihrer Barclaycard Kreditkarte entscheiden Sie völlig flexibel, wie Sie Ihre Umsätze begleichen möchten.“

Und? Stimmt das auch?

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Es klingt zumindest richtig schön fröhlich-frei-flexibel

Und ist doch so rasant an der Wahrheit vorbei.

Man könnte auch sagen:

arglistig, doppelzüngig, hinterhältig, tückisch.

Denn diese Kreditkarte ist eigentlich gar keine Kreditkarte.

Sondern ein hervorragend getarnter, mega-teurer Ratenkredit.

Mit dem man viel mehr an Barclaycard zahlt, als man an Kreditkarten-Gebühren einspart.

Das sagt Barclaycard den Kunden natürlich nicht so direkt.

Lieber versteckt man alle damit verbundenen Gemeinheiten so ganz nebenbei in diesem Satz:

Die Barclaycard Visa besitzt eine Teilzahlungsfunktion. Ihre monatliche Rückzahlung per Lastschrift ist auf 3,5 % Ihres Gesamtsaldos bzw. mindestens 50 Euro voreingestellt.“

Das scheinbar so harmlose Wort („Teilzahlungsfunktion“) verschleiert einen Kosten-Hammer:

Der Kunde zahlt automatisch nur 3,5 Prozent seiner Kreditkartenschulden zurück (bzw. mindestens 50 Euro), weil Barclaycard das so will („voreingestellt“).

Den weit überwiegenden Rest seiner Schulden aber nicht (bis zu 96,5 Prozent des Umsatzes). 

Für diesen Großteil kassiert Barclaycard Zinsen. Und zwar nicht zu knapp.

Aber wie hoch sind diese Zinsen genau? Das erfährt der Interessent nicht sofort. Erst nach zwei fetten Links („Jetzt beantragen“) steht ganz unten auf der Website eine „Zinsinformation“.

Und die hat es in sich:

„Sollzinssatz 16,99 % p.a. Effektiver Jahreszins: 18,38 %“ („bei Inanspruchnahme des Kreditrahmens und Rückzahlung in Teilbeträgen“).

Im Klartext: Auf z.B. 1000 Euro Kreditkartenumsatz zahle ich 18,38 Prozent Zinsen (also bis zu 183,80 Euro pro Jahr), wenn ich meine Schulden nicht umgehend begleiche („ab dem jeweiligen Buchungstag“).

Das kann ich aber nicht, weil Barclaycard es nicht will. Denn „voreingestellt“ sind 3,5 Prozent bzw. 50 Euro.

Wenn ich daran etwas ändern möchte, muss ich das erst selbst umständlich im Barclaycard-Internet ändern – und zwar auf der Homepage im Online-Banking im Menü „Konto verwalten“.