Die Onlinebank DKB gewinnt mit ihrer „weltweit kostenlosen“ Kreditkarte „DKB-Visa-Card“ viele Vergleichsrankings. Aber ist die Null-Euro-Karte wirklich so rundum top, wie sie scheint? „Terence testet“ hat genauer hingesehen.

Das Angebot ist verlockend. Und gefällt vielen Kunden. Die DKB💰 („Deutsche Kreditbank“) ist seit 1.Dezember 2016 mit ihrer „DKB-Visa-Card“ in der aktuellen Version auf dem Markt. Die Bank bewirbt ihr Angebot einer „kostenlosen Kreditkarte mit Girokonto“ u.a. wie folgt:

Ihre Vorteile auf einen Blick:

  • Weltweit kostenlos Bargeld an Automaten abheben
  • Weltweit kostenlos mit der DKB-VISA-Kreditkarte bezahlen
  • 0,2% p.a. Guthabenzins variabel auf der DKB-VISA-Card bis 100.000 Euro
  • Nur 6,9% p.a. Dispozins, vierteljährliche Abrechnung, Zinsen variabel
  • Kostenlose Notfallkarte und –bargeld bei Kartenverlust im Ausland
  • Kostenlose VISA-Kreditkarte mit Girokonto“
Girokonto Vergleich

Soweit der „erste Blick“. Wer ein zweites Mal hinsieht, erkennt jedoch rasch einige kleine bis mittelgroße Mängel. Allerdings erst unter dem dicken, blauen Button „Jetzt eröffnen“. Wer die darauf folgenden Zeilen nicht liest – und die Wunderkarte gleich bestellt – kauft zwar nicht die berühmte Katze im Sack. Aber eine Kreditkarte, die leider nicht immer und überall kostenlos ist – und schon gar nicht für jeden.

Denn unter dem Blickfang-Button („Jetzt eröffnen“) stehen 37 wichtige Worte:
„Genießen Sie ein Jahr lang alle Vorteile von DKB-Cash, wie weltweit kostenlos bezahlen per Kreditkarte. Mit einem monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro erhalten Sie dauerhaft alle Leistungen. Das Wichtigste: DKB-Cash ist kostenlos – für all unsere Kunden.“

Moment mal:

Warum nur „ein Jahr lang“? Und wieso ein „monatlicher Geldeingang von mindestens 700 Euro“? Davon war bisher nicht die Rede. Und welche Leistungen sind „dauerhaft“, welche aber nicht? Fragen über Fragen. Die dem Kunden an dieser Stelle leider niemand beantwortet. Folge: Auf der bisher so blütenweißen Weste der DKB bilden sich die ersten hässlichen Flecken.

Doch Stopp:

Gleich unter diesen ebenso unklaren wie verstörenden Sätzen findet sich ein Link „Leistungen auf einen Blick“: Vielleicht erfährt man da ja mehr. Leider nein. Die DKB wiederholt lediglich die bereits oben genannten Vorteile der Wunder-Karte. Und fügt noch ein paar weitere hinzu („Online-Kontenwechsel-Service“, „Kontoeröffnung per Video-Ident“).

Erst am Ende dieser Aufzählung versteckt sich die wichtigste Information zur „DKB-Visa-Card“. Unter dem Link „zur aktuellen Übersicht“ öffnet sich das „Preis- und Leistungsverzeichnis für Privatkunden“.

Dort erfährt der Leser Erstaunliches: Die scheinbar so faire DKB unterscheidet knallhart zwischen „Standardleistungen“ und „Leistungen für Aktivkunden“. Und nur diese „Aktivkunden“ kommen in den vollen Genuss aller Vorzüge der „DKB-Visa-Card“.

Denn nur sie

  • können weltweit kostenlos Bargeld abheben (alle anderen Kunden nur innerhalb des Euro-Raums, sie zahlen sonst 1,75 Prozent Gebühr vom Umsatz)
  • können weltweit kostenlos mit ihrer „DKB-Visa-Card“ bezahlen (für die anderen gilt eine Gebühr von 1,75 Prozent außerhalb des Euro-Raumes)
  • bekommen 0,2 Prozent Guthabenzinsen pro Jahr (sonst: 0,0 Prozent) und zahlen nur günstige 6,9 Prozent Dispozins (sonst: 7,5 Prozent)

Aber wie wird man nun ein Aktivkunde?

Ganz einfach. Indem man „aktiv“ jeden Monat mindestens 700 Euro auf sein „DKB Cash Girokonto“ überweist. Ganz gleich, ob als Teil des Monatsgehalts oder per Dauerauftrag. Da ist die DKB großzügig. Wer das jedoch nicht tut, darf sich nur zwölf Monate lang über seine weltweit kostenlose Kreditkarte freuen. Nach Ablauf eines Jahres streicht ihm die DKB diesen Vorteil.

Diese Details zum „Aktivkunden“ stehen übrigens nicht im „Preis- und Leistungsverzeichnis“. Sondern lediglich auf einer völlig anderen Internetseite der DKB https://www.dkb.de/banking/Service/Aktivkunde/. Nur dort erfährt der Interessent, wie er ein „Aktivkunde“ wird bzw. bleibt: „Ganz einfach – gehen monatlich 700 Euro auf Ihrem Girokonto ein, bleiben Sie Aktivkunde.“

Warum macht Bank das?

Schön, dass „Bank das kann“. Aber warum macht die DKB das? Ganz einfach: Sie will Geld verdienen. Das schafft sie aber nicht mit Verbrauchern, die lediglich ihr Null-Euro-Girokonto und ihre kostenlose Kreditkarte nutzen. Sondern nur mit lukrativen „Aktivkunden“, die ihr DKB-Girokonto als Hauptkonto („Gehaltskonto“) führen und am besten auch noch ordentlich Umsatz mit ihrer Kreditkarte erzeugen.

In verschiedenen Internet-Foren kursiert daher ein so genannter „Trick“, mit dem Kunden ihr DKB-Girokonto nur als Zweitkonto einsetzen, die geforderten 700 Euro jeden Monat von ihrem wirklichen Hauptkonto dorthin überweisen – und sich per Dauerauftrag gleich wieder rücküberweisen lassen.

Auf diese Weise bleiben sie trotzdem „Aktivkunden“. Denn das Computer-System der DKB prüft nur einmal im Monat nach, ob die 700 Euro eingegangen sind. Nicht aber, ob sie auch dort bleiben. Wer mag, kann´s ja mal ausprobieren. Vielleicht hat man Glück – und das Computer-System der DKB lernt nicht dazu.

Apropos „dazulernen“. Natürlich ist auch die „DKB-Visa-Card“ auch für „Aktivkunden“ nicht immer „kostenlos“. Die DKB verlangt von ihnen weltweit zwar keine „Abhebegebühr“. Das tun aber viele Geldautomatenbetreiber: Sie kassieren z.B. in den USA eine „Automatengebühr“ von bis zu zehn Dollar. Dieses Geld erstattet die DKB ihren „Aktivkunden“ nicht – so wie auch fast alle anderen Onlinebanken nicht. Aber die DKB weist in ihren Geschäftsbedingungen immerhin korrekt auf dieses Geldautomaten-Risiko hin.

Fazit:

Die „DKB-Visa-Card“ ist ein gutes und günstiges Angebot (inklusive kostenlosem Girokonto). Vor allem vor dem Hintergrund, dass nahezu alle klassischen Banken und Sparkassen immer mehr Geld für diese Dienstleistung verlangen.

Jeder DKB-Kunde kann selbst entscheiden, ob er „aktiv“ oder „passiv“ sein möchte. Wenn – ja wenn – ihn die DKB sofort korrekt und umfassend informieren würde.

Gemessen an ihrem eigenen Spruch „Das kann Bank“ könnte die DKB hier mehr tun: Zum Beispiel, ihre (neuen) Kunden gleich zu Beginn ordentlich aufzuklären. Ohne, dass Fragen offen bleiben. Sonst darf sich die DKB nicht wundern, wenn sich manch ein heiß begehrter „Aktivkunde“ nach den kostenlosen zwölf Monaten ganz „aktiv“ aus dem Staub macht…

Pluspunkt zum Schluss: Alle Konditionen bleiben auch nach dem 30.Juni 2019 unverändert. Das zeigt das neue „Preis- und Leistungsverzeichnis für Privatkunden“ der DKB, das ab 1.7.2019 gilt https://dok.dkb.de/pdf/plv_pk_zukuenftig.pdf

Auf einen Blick: Das ist die DKB

  • DKB („Deutsche Kreditbank“) hat mehr als vier Millionen Privatkunden
  • Sie wirbt in Deutschland mit dem Slogan „Das kann Bank“ – einer Abwandlung ihres Drei-Buchstaben-Namens
  • DKB ist seit 1995 eine 100prozentige Tochter der Bayerischen Landesbank (ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut, das dem Bundesland Bayern und dem Bayerischen Sparkassenverband gehört)
  • Viele Bayerischen Sparkassen beobachten den Erfolg der DKB argwöhnisch und sehen in der Online-Bank eine Gefahr für das eigene Geschäftsmodell („Kannibalisierung“)

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