Die Finanzroboter kommen. Ihre Anbieter werben mit cleveren Anlagestrategien, individueller Beratung und tollen Gewinn-Chancen. Aber was taugen Roboadvisor wirklich? Sind die Börsen-Maschinen ihr Geld wert?

Girokonto Vergleich

Etwa 30 digitale Vermögensberater wetteifern derzeit um das Geld der Anleger in Deutschland – Scalable, Vaamo, Growney ,Quirion und wie sie alle heißen. Sie haben laut „Fondsconsult“ bereits 2,6 Milliarden eingesammelt und nehmen den Mund ganz schön voll.

Das Versprechen der Anbieter (meist Banken und Start-Ups):

  • Auch ein Kleinanleger bekommt jetzt günstiger denn je die exklusiven Dienstleistungen einer individuellen Vermögensverwaltung.
  • Sein Geld wird transparent, computergesteuert und preiswert in Aktien, Anleihen und Fonds gesteckt.
  • Der Kunde bestimmt was geschieht – er legt in einem Fragebogen fest, wie riskant die Anlagestrategie sein darf. Der Robo-Advisor schlägt ihm dann einen individuellen Anlagemix vor. Erst wenn er zugestimmt hat, kann er sein Geld überweisen und für sich arbeiten lassen.
  • Roboadvisor Vergleich

    Aktiv oder passiv – was heißt das?

    Die Finanzroboter verfolgen zwei unterschiedliche Anlagestrategien:Passiv:Sie verteilen das Geld der Sparer nach den festgelegten Kriterien auf unterschiedliche Anlage-Klassen (z.B. 60 Prozent Indexfonds mit Aktien, 40 Prozent mit Zinspapieren). Das bleibt auch so. Außer wenn eine Anlageklasse (z.B. Aktienfonds) so stark an Wert zulegt, so dass ihr Anteil am Depot auf 65 Prozent oder mehr steigt. Dann schreitet der Robo-Advisor ein und stutzt die Aktienfonds auf ihre ursprünglichen 60 Prozent zurück („Rebalancing“).Aktiv:Der Finanz-Roboter schichtet das Depot von sich aus um (soweit es die Vereinbarung mit dem Kunden zulässt). So etwa, wenn die Maschine einen lang anhaltenden Börsen-Crash registriert. Dann ersetzt sie z.B. Aktien durch Zinspapiere. Und versucht so, einen weniger riskanten Kurs zu fahren. Aktive Robo-Advisor kosten meist mehr als passive.Aber leisten sie auch mehr? Das weiß niemand. Bisher nicht. Denn in den vergangenen Jahren crashte die Börse nie so stark, dass ein aktiver Robo-Advisor hätte zeigen können, dass er diesen Kurssturz hochintelligent abfedert – und dank dieser Superheldenkräfte den Mehrpreis auch wert ist.Wir vermuten, er ist es nicht. Der Grund: Nur die wenigsten der vielen Tausend „aktiv gemanagten“ Fonds in aller Welt schaffen es, ihre Vergleichs-Indizes zu schlagen (und damit die günstigen Exchange Traded Funds, ETF). Warum sollte das bei aktiven Finanz-Robotern anders sein?Und da wären wir auch schon bei der Sinnfrage: Was taugen Robo-Advisor – ob aktiv oder passiv? Halten die schönen Versprechen der Anbieter der grausamen Realität stand? Leider nicht.

    Terence`s Realitäts-Check: wenig Beratung, viele Kosten, lahme Performance

    Das erste Gebot für einen Robo-Advisor lautet:Du sollst dem Anleger das Leben erleichtern – unterstütze ihn dabei, sich breit gestreut an den Kapitalmärkten zu engagieren und verwalte seine Geldanlage ebenso einfach wie komfortabel. Doch was tun die meisten digitalen Vermögensberater? Nicht mehr als das, was jeder von uns problemlos schaffen würde. Denn ein Depot aus günstigen börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds, ETF) kann sich jeder Anleger auch selbst kaufen.Das zweite Gebot für den Finanzroboter:Du sollst Deinen Kunden so umfassend beraten, dass Du genau weiß, was er möchte und ob es auch wirklich zu ihm passt. Schade, dass der Robo-Advisor auf diesem Ohr taub ist. Denn die meisten Anbieter lassen Interessenten nur recht einfach strukturierte Fragebögen ausfüllen (Anlageziele, Risikoneigung etc.). Dann entscheidet der Algorithmus, wieviel Geld in einen Aktien-ETF und wieviel in einen Anleihen-ETF fließen sollte. Angesichts dieser Mini-Beratung könnte der Robo-Advisor (=“Berater“) auch gleich Robo-Powerseller heißen.Gebot Nummer drei:Du sollst besser sein als der Markt – ganz gleich, ob Du ein „aktiver“ oder „passiver“ Robo-Advisor bist. Auch hier zeigt die Realität: Die digitalen Vermögensverwalter können nicht zaubern. Schon gar nicht an der Börse. Ein Langfrist-Test des Portals „Brokervergleich“ zeigt, dass die Robo-Advisor von Mai 2018 bis Mai 2019 Jahresrenditen zwischen plus 6,3 und minus 5,8 Prozent erwirtschafteten (Durchschnitt: 3,8 Prozent). Ein Vergleichsindex aus 50 Prozent Aktien (MSCI World) und 50 Prozent Zinspapieren (Barclays Global) schaffte im selben Zeitraum jedoch locker 7,9 Prozent. Noch ärgerlicher: In den vergangenen zwei, drei oder vier Jahren war kein einziger RA besser als dieser Vergleichsmaßstab.Gebot Nummer vier:Auch Gebot Nummer vier, wir ahnen es schon, missachten die meisten Finanz-Advisor. Es heißt: Sei so günstig wie möglich, erspare Deinem Kunden alle überflüssigen Kosten, denn nur dann kann er an der Börse wirklich Geld verdienen. Soweit die Theorie. In der Praxis sind fast alle Finanz-Roboter teuer. Auf jeden Fall teurer als die Finanzprodukte, in die sie fast ausschließlich investieren.

    Denn wer sich die dort meist empfohlenen Indexfonds (Exchange Traded Funds) selbst kauft, bezahlt weniger. So kosten etwa Erwerb und Verwaltung des weltweit investierenden MSCI World Index pro Jahr im Schnitt lediglich 0,35 Prozent (laufende Fondskosten eines Aktien-ETF). – das sind bei 10.000 Euro lediglich 35 Euro. Ein digitaler Vermögensverwalter verlangt für seine Dienste, so eine „Fondsconsult“-Studie, zwischen 0,6 und mehr als 2 Prozent im Jahr – also zwischen 60 und 200 Euro. Einige Anbieter kassieren sogar eine zusätzliche Erfolgsgebühr („Performance Fee“) von z.B. zehn Prozent. Das sind bei einer angenommenen Rendite von fünf Prozent (also 500 Euro) weitere 50 Euro.Dieses Gebühren-Gebaren ist kontraproduktiv. Denn wir alle wissen, dass Kosten nun einmal Rendite fressen. Um seinen Aufpreis zu rechtfertigen, müsste der Robo-Advisor jedoch besser sein als der Markt. Ist er aber leider nicht (siehe oben). Und so verliert man mit ihm effektiv Geld (im Vergleich zu einer Direktanlage in ETF).

    Unser Fazit: Die erste Euphorie ist weg – die ersten Anbieter auch

    Der bisherige Erfolg der Robo-Advisor hält sich in Grenzen. Auch weil die Privatanleger nicht dumm sind. Als Ergebnis haben einige Banken ihre geplanten Börsen-Maschinen erst einmal verschoben oder gleich ganz gekippt. Allein in den vergangenen sechs Monaten haben sich zwei Anbieter vom Markt verabschiedet.Doch einige große Finanzkonzerne wollen offenbar neu einsteigen. Insider sind sich sicher, dass etwa die Allianz in den nächsten Monaten mit einem eigenen Robo-Advisor-Projekt startet. Das kann nicht schaden. Denn mehr Wettbewerb ist immer gut. Das zeigt sich auch in den USA. Dort ist der Kampf um die Kunden inzwischen so hart, dass die Preise für die digitale Vermögensverwaltung kräftig sinken.Fazit: Geben wir den Robo-Advisor noch eine Chance. Wir beobachten sie weiter, warten auf günstigere Konditionen und hoffen, dass die schneller als bisher dazu lernen, um mehr Rendite zu erwirtschaften. Schaffen sie das nicht, sparen wir uns das Geld für irgendwelche Börsen-Maschinen. Und stellen uns unser Depot lieber weiter selbst zusammen.

    Wir freuen uns über Feedback! Was denken Sie zu Roboadvisor?

    Girokonto Vergleich

    Wie ist Ihre Meinung? Schreiben Sie einen Kommentar!

    avatar
      Abonnieren  
    Benachrichtige mich bei

    Hier gehts zum Robo Advisor Vergleich