Smava wirbt aggressiv mit Billigst-Krediten – sogar mit negativen Zinsen. Doch ein Echtzeit-Test zeigt: Das vermittelte Darlehen kostet keinen Cent weniger als bei der Bank selbst. Dafür schnappt sich Smava aber Unmengen persönlicher Finanz-Daten – und nervt ständig mit Anrufen, Mails oder Briefen.

Man kann ihnen nicht entkommen.

Egal ob im Fernsehen oder im Internet.

Überall stößt man auf „Smava“:

den Kreditvermittler mit „günstigen Krediten“ von „über 20 Banken“ mit „Günstiger-Geht-Nicht-Garantie“ – und sogar zu „minus 0,4% effektivem Jahreszins“.

So viel Selbstlob macht misstrauisch.

Ist „Smava“ wirklich so toll?

Vermittelt „Smava“ Verbrauchern tatsächlich „kostenfrei und innerhalb von Sekunden den günstigsten Kredit“, wie die Homepage tönt?

Und womöglich sogar zu den versprochenen negativen Zinsen – sodass man weniger zurückzahlt, als man sich geliehen hat?

Negativ? Nicht nur die Zinsen

Viele Verbraucher, die schon mal mit Smava zu tun hatten, sind mehr als skeptisch.

Um nicht zu sagen sauer.

Eine kleine Auswahl der Meinungen auf Bewertungsportalen wie Trustpilot:

„Sie gaukeln einen ziemlich günstigen Zinssatz vor (in meinem Fall: 0,68 % p.a.), bis man den Antrag ausgefüllt hat; hinterher kommen Angebote, die man in Google auch so findet. Dafür braucht man wirklich keinen Vermittler.“ 

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„Smava ist der einzige Kreditvergleich, bei dem ich alle Daten inklusive Kontonummer eingeben muss, bevor überhaupt ein Kreditangebot ersichtlich ist.“

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„Wenn man einmal seine Daten preisgegeben hat, dann wird man ziemlich aggressiv umworben – auf allen Kanälen: Telefon, SMS, Email, zum Schluss auch noch schriftlich.  

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„Ich werde jeden Tag mit der gleichen Nachricht angeschrieben: Ihr Kredit wartet auf Sie. Nur noch heute. Leider konnte ich Sie nicht erreichen.“

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„Ich erhielt ohne jegliche Vorabberatung sehr viele E-Mail-Angebote von Smava sowie dazu noch Postzusendungen, fertig genehmigter Kreditverträge von Banken, mit denen Smava zusammenarbeitet. Meine Schufa wies nun mehr als 10 Einträge von Kredit-Konditionsabfragen unterschiedlichster Banken auf.“

Girokonto Vergleich

Starke Sprüche, schwache Zinsen, aufdringliche Anrufe

Oh.

Da kommt ja offenbar so einiges zusammen:

keine wirklich günstigen Kredite, massiver Verkaufsdruck per Telefon oder Mail und womöglich sogar deutlich schlechtere Schufa-Einstufungen… 

Aber wie passt das alles zu „Deutschlands Online-Vergleichsportal für Online-Kredite“?

Und wie reagiert Smava auf all diese Vorwürfe?

Vielsagend.

Denn Smava sagt tätsächlich viel:

Das Unternehmen antwortet fast allen Kritikern.

Leider stets mit denselben automatisierten Standard-Sätzen:

„Es tut uns leid zu hören, dass Sie mit der Kreditvermittlung vom smava.de nicht zufrieden sind…“ 

.

„Um Ihnen eine umfangreiche und detaillierte Beratung zu bieten, nutzen unsere Kreditspezialisten mehrere Kanäle zur Kontaktaufnahme…“.

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Terence Tester möchte es – wie immer – selbst wissen:

Ist Smava wirklich so schlimm?

Und startet deshalb eine Echtzeit-Recherche.

Auf geht´s zur Smava-Homepage.

 

Ein Lockvogel-Angebot? Nein, gleich zwei!

Smava kann sich offenbar nicht entscheiden, wie günstig das zu verleihende Geld denn nun sein soll:

Zum einen offeriert man „minus 0,4 Prozent effektiven Jahreszins“.

Allerdings mit der mini-klein gedruckten Fußnote

„Repräsentatives Beispiel: Nettodarlehensbetrag: 1.000 Euro, Laufzeit: 24 Monate, 24 Raten zu je 41,50 Euro, effektiver Jahreszins: -0,4%, gebundener Sollzins: -0,4% p.a., Gesamtbetrag: 995,84 Euro“.

 

Zum anderen bietet die Homepage einen voreingestellten 20.000 Euro-Kredit zur „freien Verwendung“ mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem „effektiven Jahreszins 0,68 Prozent“ bei einer Monatsrate von 243,86 Euro.

Auch hier die unvermeidliche Fußnote, die den Sonderzins eigentlich gleich wieder zurücknimmt:

„2/3 aller Kunden erhalten: 4,71 % eff. Jahreszins, 4,61 % fester Sollzins p.a., Gesamtbetrag 23.439,32 Euro, mtl. Rate 279,04 Euro“. 

Zwei Drittel aller Smava-Kunden bekommen also nicht die angepriesenen Super-Zinsen von 0,68%.

Ganz zu schweigen von minus 0,4 Prozent.

Sondern lediglich den eher überdurchschnittlich teuren Marktzins von 4,71 Prozent.

Aber das gilt doch wohl nicht für Terence Tester?

Deshalb drückt er sofort den Button:

„Jetzt Kreditvergleich starten“. 

Die erste Überraschung:

Statt eines „Kreditvergleichs“ leitet Smava ihn sofort auf die Seite für einen

„Kreditantrag“

plus einem anzuklickenden Kästchen:

„Mit der kostenlosen und unverbindlichen Angebotseinholung… bin ich einverstanden.“

Dabei ist der Unterschied zwischen „Kreditvergleich“ und „Kreditantrag“ gewaltig – das erste wirkt sich nicht auf den persönlichen Schufa-Score aus, das zweite sehr wohl… 

Klar ist: Wenn man dieser schwerwiegenden Klausel nicht zustimmt, geht´s nicht weiter

(„Bitte beachten Sie die rot markierten Felder und füllen Sie diese korrekt aus“). 

Erst danach darf Terence Tester auf Seite 2 weitermachen.

Hier fordert Smava zwar seine „Persönliche Daten“ – inklusive Mail-Adresse. Rückt aber immer noch nicht die versprochenen „kostenlosen und unverbindlichen Angebote“ heraus.

Sollte Smava etwa nur Terence Testers Daten sammeln wollen?

Der Verdacht erhärtet sich.

Denn nur wenige Sekunden später bekommt Terence Tester eine Mail-Nachricht von info@smava.de:

Er soll sich „jetzt“ einloggen und „Kreditangebote vergleichen“.

Wieso jetzt schon?

Lieber nicht. 

TT bleibt stattdessen auf der Smava-Homepage, nennt Details zu „Person“ sowie „Wohnort“ und klickt auf „weiter“.

Jetzt wird´s heftig.

Auf Seite 3 verlangt Smava Angaben zum „Arbeitsverhältnis“ und sogar „Name“ sowie „Anschrift“ des Arbeitgebers.

Terence Tester bleibt geduldig, füllt alles aus. 

Doch Smava hat immer noch Daten-Hunger:

Auf Seite 4 will das Unternehmen „monatliches Einkommen“ und „monatliche Ausgaben“  wissen.

Von „kostenlosen und unverbindlichen Angeboten“ ist immer noch nichts zu  sehen.

Terence Testers Verdacht auf Daten-Abgreiferei betätigt sich.

Auf Seite 5 fragt Smava, Terence Tester hat es geahnt, ob man nicht „eine Restschuldversicherung abschließen“ wolle.

Natürlich will man das nicht.

So etwas verteuert nur den Kredit – würde Smava aber vermutlich eine hübsche Provision einbringen…

Jetzt hat es Terence Tester aber geschafft.

Er gibt nur noch seine Kontoverbindung ein („Auszahlungskonto“) und bekommt endlich die lang ersehnten „Angebote“ („Einen Augenblick, Ihre Anfrage wird gerade von unseren Banken geprüft….“).

Das Ergebnis ist ernüchternd:

Keine 0,68 Prozent Superzinsen weit und breit.

Und erst recht keine -0,4 Prozent.

Terence Tester geht es also auch nicht besser als den vielen anderen Smava-Opfern…. 

Stattdessen möchte Smava ihm als günstigstes Angebot einen 3.19 Prozent-Kredit der DKB vermitteln.

Schade nur, dass die DKB ihm exakt dieses Darlehen schon vor seinem Smava-Vergleich gemacht hat….

Terence Tester klickt also keine der läppischen Smava-Offerten an. Also nicht die 3,19 Prozent der DKB und erst recht nicht die 3,99 Prozent der Postbank.

Bekommt aber trotzdem sofort eine neue Mail („Ihre Empfehlung von Smava“):

„Sie haben gerade über Smava einen Kredit über 20.000 angefragt“… 

Nein, hat er nicht.

Er hat eigentlich einen „Kreditvergleich“ angefragt („Jetzt Kreditvergleich starten“), wurde aber stattdessen von Smava gekidnappt und auf die „Kreditantrag“-Seiten entführt. 

Doch Smava lässt nicht locker.

Exakt im Minutenabstand kommen weitere Mails:

„Ihre Angebotsübersicht“ „Ihre Empfehlung“ usw.

Und als Terence Tester nach einer Stunde immer noch keinen Kredit abgeschlossen hat, meldet sich Smava-Vermittler Krikor S. telefonisch und natürlich auch noch per Mail( „Ihr persönliches Kreditangebot“…)

Erstes Fazit:

Leider stimmen so gut wie alle negativen Urteile über Smava.

Der Kreditvermittler verschafft den Usern keine wirklich günstigen Kredite (zumindest nicht billiger als sie bei der Bank selbst zu bekommen wären).

Ganz zu schweigen von Konditionen wie „minus 0,4 Prozent“ oder wenigstens „0,68 Prozent“.

Dafür saugt Smava aller nur erdenklichen Daten ab und macht damit – Terence Tester will´s lieber gar nicht wissen. 

Zweites Fazit:

Kein Mensch braucht Smava.

Dagegen sind ja  sogar Targobank & Co. noch seriös.

Terence Testers Gesamtnote für Smava:

Sechs – er würde gern eine „Sieben“ geben, aber das ist ja leider nicht möglich… 

Gesamtnote: 6

P.S.

Falls Smava diesen Text liest:

Terence Tester möchte keinen Kredit von Euch vermittelt bekommen.

Wirklich nicht.

Und Ihr müsst jetzt ganz stark sein:

Der angebliche Interessent „Leon J.“ existiert nicht, seine Post-Adresse auch nicht;

Der Mail-Account und die Handy-Nummer wurden nur für diesen Test genutzt.

Seht Ihr:

So ist es eben, wenn man nicht das ist, was man zu sein behauptet.

Vielleicht lernt Ihr ja was draus… 

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Schlimm, wenn sich all die negativen Erfahrungen der User bestätigen..
Gut, dass es mal jemand schonungslos aufschreibt…

Smava: Kurz und Knapp

– Smava lockt mit Super-Billig-Krediten

– Die tatsächlichen Konditionen sind so gut wie immer deutlich schlechter

– Statt eines „Kreditvergleichs“ bekommt man sofort „Kredit-Angebote“

– Was uns gar nicht gefällt: Gebrochene Versprechen und erschlichene Daten

– Gesamtnote: 6 (schlechter geht leider nicht) 

Faktenkasten

– Smava ist ein Kreditvermittler

– Startete 2007 als „erstes deutsches Fintech“

– Sitz Berlin und Hamburg (ca. 450 Mitarbeiter)

– Vermitteltes Kreditvolumen pro Jahr: 2 Milliarden (eigene Angabe)

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