Der digitale Vermögensverwalter quirion gibt Gas:

die Zahl der Kunden seit Januar auf mehr als 10.000 verdoppelt, die Mindestanlagesumme für neue Anleger auf 1.000 Euro gesenkt, plus Geld geschenkt – und das alles für Gebühren zwischen 0,0 und 0,88 Prozent im Jahr.

Klingt klasse.

Aber ist der Robo-Advisor wirklich einen Versuch wert?

Roboadvisor Vergleich

Quirion selbst würde diese Frage mit einem donnernden „Ja“ beantworten.

Die Berliner Vermögensverwaltung, Tochter der Quirin-Bank, lässt es auch (eigen-)werblich krachen:

Bei „Deutschlands bester digitaler Geldanlage“ und dem „Testsieger Stiftung Warentest“ kann man „die ersten 10.000 Euro kostenfrei anlegen“ und bekommt auch noch „30 Euro Sparrate geschenkt“.

Wow.

Mehr geht kaum.

Das wäre eine Computer gesteuerte Geld-Anlage wie keine zweite (siehe auch „Mund voll, Depot leer: Terence testet Roboadvisor“).

Aber stimmen die Fakten?

Terence Tester checkt die forsche Quirion-Eigenwerbung.

Behauptung Nummer eins: Die ersten 10.000 Euro kostenfrei anlegen.

Das trifft (fast) zu.

Denn erst danach verlangt Quirion eine Verwaltungsgebühr:

  • 0,48 Prozent pro Jahr im „Basis-Paket“ und
  • 0,88 Prozent im „Comfort-Paket“ – bei z.B 20.000 Euro also 96 Euro bzw.176 Euro.

In der etwas teureren Variante „Comfort“ bekommen die Kunden einen persönlichen Ansprechpartner, mit dem sie ihre Anlagestrategie bereden und wechseln können, so oft sie wollen.

Der „Basis“-Anleger zahlt für diesen Betreuungs-Service 150 Euro pro Stunde.

Bleibt die Frage:

Wie lange sind die „ersten 10.000 Euro kostenfrei“?

Zeitlich unbegrenzt. Finanziell jedoch nicht.

Denn ab 10.000 Euro kassiert Quirion die oben genannten Gebühren für Basis- oder Comfort-Paket.

Im Klartext:

Sobald der Geld-Roboter mit den ihm anvertrauten 10.000 Euro auch nur einen Cent erwirtschaftet, rutscht der Anleger sofort in das gebührenpflichtige Angebot.

Außer der Roboadvisor verliert Geld – aber das tut er ja wohl hoffentlich nicht!

Hinzu kommt:

Die angegebenen Gebühren von 0,0 Prozent, 0,48 oder 0,88 Prozent beziehen sich nur auf das „Verwahrungsentgelt“ – eine Servicegebühr, die Quirion für das Vermögensdepot verlangt.

Darüber hinaus entstehen natürlich Kosten, wenn der Robo-Advisor für den Anleger Finanzprodukte kauft.

Also z.B. die günstigen Indexfonds (Exchange Traded Funds ETF), die im Schnitt 0,5 Prozent pro Jahr kosten.

Wirklich „kostenfrei“ wird´s also nie.

Für niemanden.

Darauf weist Quirion zwar hin.

Aber leider erst im Preis- und Leistungsverzeichnis:

„Fremde Kosten und Auslagen geben wir in gleicher Höhe weiter.“


Kommentar:

Die Behauptung „kostenfrei“ ist nicht gelogen, mogelt sich aber elegant an der Realität vorbei.

Behauptung Nummer zwei Jetzt schon ab 1000 Euro und jetzt 30 Euro Sparrate geschenkt.

Mit dieser Aktion will sich Quirion Kunden schnappen, die weniger als die bisher mindestens erforderlichen 10.000 Euro anlegen wollen (oder können).

Dass dieses Lockvogel-Angebot nicht ewig und nicht für jeden gilt, zeigen die verräterischen Mini-Fußnoten „1“ und „2“.

Damit stellt Quirion klar, dass die Aktion zeitlich begrenzt ist (1.8. bis 10.10.2019).

Tut das aber erfreulich offen und leicht erkennbar.

Kompliment.

Auch die Bedingungen für die geschenkten 30 Euro sind fair:

Der Kunde muss bei Quirion ein Depot eröffnen und einen monatlichen Sparplan abschließen.

Dann bekommt er tatsächlich die erste Sparrate in Höhe von 30 Euro nachträglich gutgeschrieben.

Behauptung Nummer drei: Deutschlands beste digitale Geldanlage, bester Robo-Advisor und Testsieger Stiftung Warentest

Diese Behauptungen sind nur zum Teil wahr.

Zwar hat Quirion bei der unabhängigen „Stiftung Warentest“ tatsächlich gut abgeschnitten.

Aber eben „gut“ und nicht „sehr gut“.

Außerdem war der Test schon im August 2018.

Und ein weiterer Robo-Advisor bekam ebenfalls die Note „gut“ – sechs erhielten ein „befriedigend“, drei ein „ausreichend“ und drei ein „mangelhaft“.

Ein „sehr gut“ hat Stiftung Warentest nicht vergeben.

Ganz zu schweigen von dem Titel „Deutschlands beste digitale Geldanlage“.

Ähnlich kritisch muss Terence Tester auch das Selbstlob „bester Robo-Advisor“ hinterfragen.

Denn dieses Prädikat wurde Quirion nicht, wie zu vermuten wäre, von Stiftung Warentest verliehen.

Sondern von einem privaten, mäßig beleumundeten Anbieter:

dem „Deutschen Institut für Service-Qualität“.

Und da dürften, wie der Name schon sagt, eher irgendwelche vagen „Service“-Kriterien gezählt haben. Aber nicht die Qualität der Anlage-Ergebnisse (Performance).

Doch wie erfolgreich wirtschaftet Quirion denn nun mit dem Geld der Anleger?

Das zeigt der strenge langfristige „Echtgeld-Test“ des Finanzportals „Brokervergleich“ vom 1.Mai 2015 bis 31.Juli 2019.

Das Ergebnis:

nicht so doll.

So zeigte ein Quirion-Depot (50 Prozent Aktien, 50 Prozent Anleihen) in diesem Zeitraum lediglich eine Performance von 0,4 Prozent – der zum Vergleich herangezogene Mix aus 50 Prozent Aktien (MSCI World Index) und 50 Prozent Anleihen (Barclays Global) schaffte hingegen 2,7 Prozent.

Kommentar:

Diese drei Kronen hat sich Quirion selbst aufgesetzt. Zu Unrecht.

Unser Fazit:

Quirion ist fair zu den Kunden, informiert ordentlich und weitgehend zutreffend.

Das Anlage-Ergebnis im aktuell schwierigen Marktumfeld ist hingegen noch nicht überzeugend.

Würden die Quirion-Macher ihren Mund ein klein bisschen weniger voll nehmen, kämen sie der Wahrheit näher.

Wegen des bisweilen nur halb-seriösen PR-Gedöns´ gibt’s einen kräftigen Punktabzug.


Deshalb:

Gesamtnote 3

Produktinfos Überblick für quirion

Gebühren bis 10.000€keine
Gebühren ab 10.000€– Basis-Paket für 0,48% Jahresgebühr

– Comfort-Paket für 0,88% Jahresgebühr
Kaufkosten für Fonds/ETFWerden Kunden nach den Kosten der Anbieter berechnet
Depotgebührenkeine
Transaktionskostenkeine
Ausgabeaufschlagkeiner
Performancegebührenkeine
Terence Tester Note3

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