Endlich eine wichtige Versicherung, die jeder abschließen kann: einfach, schnell und unkompliziert per Internet.

Das verspricht das noch recht junge Startup „Getsurance“ aus Berlin. Und zwar für das tatsächlich sehr notwendige Produkt „Berufsunfähigkeitsversicherung“.

Denn wer seinen Job nicht mehr erledigen kann, fällt schnell durch alle sozialen Netze.

Das sollte nicht sein. Auch Verbraucherschützer raten daher dringend zu einer Versicherung gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit („BU-Versicherung“).

Aber bei welchem Anbieter? 

Das Wichtigste in Kürze: Getsurance – Versicherung gegen Berufsunfähigkeit

 

  • Versprechen: Police lässt sich in nur 5 Minuten abschließen
  • Realität: Die meisten Interessenten werden abgewiesen
  • Hohe Hürden: keine dauerhaften Arzneimittel, keine stationäre Behandlung 
  • Ausschluss: wichtigstes Risiko „psychische Erkrankung“
  • Mangelnder Erfolg: Produkt inzwischen wohl ersetzt durch „Krebs-“ und „Arbeitsausfall-Versicherung“.

Gesamt-Note: 6 

 

Die Hürden sind hoch.

Häufig ist die BU-Versicherung zu teuer. Noch häufiger schließt sie leider genau all die Risiken aus, gegen die man sich absichern möchte (v.a. psychische Erkrankungen).

Deshalb haben viel zu wenige Werktätige eine BU-Versicherung. Das will „Getsurance“ ändern.

Und bietet seit Mitte 2017 „die erste digitale Berufsunfähigkeitsversicherung“ an. Das selbstgesteckte Ziel:

Mit einer

„neuartigen, modularen Versicherung 22 Millionen unterversicherte Menschen zu versorgen“.

22 Millionen? Drunter tun sie´s wohl nicht. Terence Tester will wissen: Ist „Getsurance“ auch wieder nur eines dieser hochgejubelten digitalen Versicherungs-Wunder – „Insurtechs“ genannt.

Oder können die wirklich was?

Der Name ist schon mal nicht schlecht: „Getsurance“ – kurz für „get an insurance“, also etwa „Bekomm (endlich) ne Versicherung“! Und das sogar ruckzuck:

„In 5 Minuten zu Deiner Berufsunfähigkeitsversicherung“

trommelt das Unternehmen.  

Haftpflichtversicherung

Was taugt Getsurance?

Genauer: Wie gut schützt die BU-Versicherung des von „Getsurance“ vermittelten Liechtensteiner Anbieters „Squarlife Lebensversicherungs AG“ vor den häufigsten Risiken für Invaldität:

1. Psyche

2. Krebs

3. Bewegungsapparat

4. Unfall

5. Nervensystem?

Leider nicht gut.

Findet Terence Tester. Denn:

Getsurance schließt extrem viele potenzielle Kunden aus:

1.) Wer eine Vorerkrankung hat, bekommt fast immer nur den leistungsschwachen Basis-Tarif („Job Basic“).

2.) Der Versicherte erhält hier jedoch nur dann Geld, wenn er durch einen Unfall berufsunfähig geworden ist.

Das ist aber lediglich die vierthäufigste Ursache (siehe oben).

3.) Für die beiden besseren Tarife („Job Premium“ und „Job Comfort“) gelten harte Bedingungen:

Der Kunde darf in den vergangenen fünf Jahren nicht länger als vier Wochen hintereinander (verschreibungspflichtige)  Arzneimittel genommen haben;

er darf in den letzten sieben Jahren nicht stationär im Krankenhaus gewesen sein bzw. er muss seit mindestens einem Jahr wieder genesen sein.

Und wer später einmal psychisch erkrankt, bekommt gar nichts.

4.) Das ermöglicht lediglich ein Zusatzvertrag zum schmalbrüstigen Tarif („Job Basic“).

Aber nur, wenn der Kunde innerhalb der vergangenen zehn Jahre nicht wegen einer psychischen Erkrankung untersucht oder beraten wurde.

Dazu zählt sogar, wenn der Psychotherapeut ausdrücklich festgestellt hat, dass man gar keine Therapie benötigt.  

Unser Zwischenfazit:

Getsurance sichert so gut wie nichts und niemanden gegen den häufigsten Grund ab, berufsunfähig zu werden – gegen psychische Erkrankungen.

Eine Versicherung aus Liechtenstein?

Ein völlig anderes Risiko droht dem Kunden aus juristischen Gründen.

Das von „Getsurance“ vermittelte Versicherungs-Unternehmen „Squarlife Lebensversicherungs AG“ sitzt im Zwergstaat Liechtenstein.

Und damit außerhalb der Europäischen Union.

Wer sich mit diesem Unternehmen streitet, darf also nicht auf die Hilfe des verbraucherfreundlichen deutschen Versicherungs-Ombudsmanns hoffen. 

„Getsurance“ umschreibt diesen gravierenden Nachteil recht trickreich:

Man sei zwar

„bereit zur Teilnahme an einem Streitbeilegungsverfahren“

beim Versicherungs-Ombudsmann. Aber man sei

„nicht dazu verpflichtet“. 

Hohn für abgewiesene Interessenten

Noch mehr verhöhnt fühlt sich derjenige, den „Getsurance“ erst gar nicht als Kunden für die Berufsunfähigkeits-Police akzeptiert:

„Leider können wir dich aufgrund deiner Angaben online nicht versichern.“

Da hilft auch der scheinbare Trost nicht wirklich: 

„Da du bereits wegen der Psyche beraten wurdest, drohen dir bei anderen Versicherern teure Zuschläge. Genau für deinen Fall haben wir eine einzigartige Lösung geschaffen. So funktioniert’s: Versichere dich erst einmal ohne die Option Psyche. Du kannst die Option Psyche später dazubuchen.“

Nach dem Motto:

Schließ doch bitte trotzdem irgendeine Versicherung bei uns ab – ob oder was wir zahlen, klären wir später…

Und wer selbst dann noch zögert, den ermahnt „Getsurance“ streng:

„Dass du deine Psyche noch nicht versichern kannst, ist keine Ausrede! Versichere dich noch heute gegen Unfälle und körperliche Krankheiten wie Schlaganfall oder Krebs.“

Flop-Versicherung oder Versicherungs-Flop?

Wieso jetzt auf einmal ganz konkret gegen „Schlaganfall“ oder „Krebs“? Ist die Berufsunfähigkeits-Versicherung etwa ein Miss-Erfolg?

Genau so scheint es zu sein.

Der scheinbare Beleg: „Getsurance“ kündigt die vor zwei Jahren so triumphierend angepriesene BU-Versicherung auf der Start-Homepage schon gar nicht mehr prominent an. Sondern versteckt sie ganz unten am Ende der Homepage.

Und zwar winzig klein unter dem allgemeinen Stichwort „Versicherungen“.

Stattdessen prunkt „Getsurance“ jetzt mit zwei neuen Versicherungen, oder besser:

zwei neuen Versicherungs-Versuchen (die checkt Terence Tester beim nächsten Mal):

  • eine „Krebsversicherung“
  • und eine „Arbeitsausfall-Versicherung“

Aber was Terence Tester gar nicht gut findet:

„Getsurance“ macht inzwischen ihr „altes“ Produkt BU-Versicherung so richtig schlecht:

– „Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sehr teuer, da sie bis zum Renteneintritt monatlich Geld auszahlt. Die Arbeitsausfall-Versicherung zahlt für einen kürzeren Zeitraum Renten aus, nämlich bis zu zwei Jahre lang. Dadurch wird sie viel günstiger und bezahlbarer.“

– Die „Krebs-Police“ sei kein Ersatz, sondern eine sinnvolle Ergänzung zur Absicherung der eigenen Arbeitskraft. Das „Luxusprodukt“ Berufsunfähigkeitsversicherung werde zwar von Experten immer wieder als alternativlos dargestellt, sei aber „schwer zu verstehen und kaum bezahlbar“.

„Getsurance“-Geschäftsführer Johannes Becher lässt sich jedenfalls nicht so leicht erschüttern. Für ihn ist der „Online-Vertrieb“ von Versicherungen „die einzigartige Chance“ möglichst vielen „Menschen Versicherungsschutz anzubieten“: „Einfachheit und Transparenz sind die wichtigsten Zutaten.“

Da hat Herr Becher leider die wichtigste Voraussetzung vergessen:

Vertrauen.

Denn das hat Terence Tester längst verloren.

Unser Fazit: Terence Tester Gesamtnote: 6

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