Das wichtigste in Kürze:

  • Werbung: „Dauerhaft niedrige Preise, Top Service, Testsieger“
  • Realität: Stimmt nicht mehr seit dem Gebühren-Hammer vom 1.März
  • Stärken: Community aus Profi-Anlegern
  • Schwächen: Service-Chaos, unzuverlässiges Management, hohle Marketing-Sprüche.
  • Empfehlung: Nur für Geldanleger mit extrem guten Nerven, denen es außerdem nicht auf ein paar Euro Grundgebühren für ihr Depot ankommt.
  • Terence Tester Note: 6

Der Wertpapierbroker Flatex war einmal innovativ, fair und günstig. Aber heute? Gestiegene Gebühren, freche Negativzinsen, stinkwütende Kunden – und gefährlicher Ärger mit der Finanzaufsicht BaFin.

Weg in Wüste

Wie heißt das Paradies für schnelle und schlaue Geldanleger? Na, keine Frage: Flatex natürlich – findet Flatex. 

Denn der „Günstige Online Broker mit Top-Service“ (Eigenwerbung) steht für:

„Dauerhaft niedrige Preise“

„Bester Online Broker“ bzw. „Testsieger“

„Jetzt wechseln und richtig sparen“

„Für 3,80 EUR handeln und bis zu 200 EUR Cashback erhalten“

„0,00 Euro ETF-Sparpläne“

Aber wie kann es dann sein, dass Tausende von Kunden den „Testsieger“ (ebenfalls Eigenwerbung) seit Wochen mit sehr wütenden bis extrem wütenden Kommentaren überfluten?

Ganz einfach. Flatex hat es sich mit vielen seiner Kunden verscherzt. Und zwar massiv. Warum? Weil der Wertpapierbroker nicht nur eines seiner Versprechen bricht. Sondern gleich mehrere. Aber der Reihe nach. Terence Tester prüft die 5 wichtigsten Flatex-Behauptungen.

Flatex – es gilt das gebrochene Wort

Versprechen 1: Dauerhaft niedrige Preise. 


Das gilt spätestens seit dem 1.März dieses Jahres nicht mehr. Denn seitdem verlangt Flatex 0,1 Prozent Depotgebühr pro Jahr. Statt bisher 0,0 Prozent. Das ist mehr als unüblich für einen Online-Broker. Nahezu alle anderen bleiben bei null Euro – von Billiganbietern wie Onvista, und Trade Republic bis zu Direktbanken wie DKB oder Comdirect. Außerdem: 0,1 Prozent klingt zwar nach extrem wenig, bedeutet für ein 10.000 Euro-Depot aber schon 10 Euro im Jahr, für ein 50.000er sogar 50 Euro usw. 

Versprechen 2: Jetzt für 3,80 Euro handeln.

Diese Offerte stimmt zwar. Gilt aber nur für Neukunden – und auch das nur in den ersten sechs Monaten. Danach springt der Preis auf die für alle geltenden 5,90 Euro. Für fast jeden Auftrag („Trade“) – nicht aber für Anlagezertifikate und Hebelprodukte. Und überhaupt: Die 5,90 Euro sind natürlich nur der Rohpreis (wie bei allen Direktbrokern) plus „Fremdspesen und Maklercourtagen etc.“. Und so werden aus den angeblichen 5,90 Euro bei einem Handel über Xetra schon (mindestens) 7,90 Euro und bei der klassischen Börse Frankfurt sogar (mindestens) 11,32 Euro.

Versprechen 3: Bis zu 200 EUR Cashback erhalten

Auch darüber dürfen sich nur Neukunden freuen. Dafür müssen sie aber mindestens „20 Trades innerhalb der ersten 12 Monate“ durchführen. Und – leider, leider – zählen so gängige Dinge wie Sparpläne nicht dazu. Übrigens auch nicht die bei Geld-Profis so beliebten Differenz-Geschäfte („CFD-Trades“). 

Versprechen 4: 0,00 Euro ETF-Sparpläne.


Die nächste Halbwahrheit. Fast alle monatlichen Sparpläne kosten selbstverständlich etwas: 1,50 Euro Fixpreis pro Monat – das sind bei 50 Euro immerhin stolze drei Prozent Kaufgebühr. Die versprochenen „0,00 Euro“ gelten nur für einige ausgewählte ETF-Sparpläne von Anbietern wie z.B. Amundi, X-Tracker oder Lyxor. Terence Tester würde wetten, dass diese Offerte nicht die beliebtesten ETFs umfasst…. Außerdem: Wie lange gelten die „0,00 Euro“? Sicherlich nicht für immer – genau wie die angeblich dauerhaften „Null Euro Depotgebühr“. Und was soll der Anleger danach tun? Seinen gerade erst angesparten ETF-Plan kündigen? Einen anderen, dann kostenlosen Anbieter aussuchen? Für den Flatex auch irgendwann echtes Geld verlangt? 

Versprechen 5: Bester Online-Broker bzw. Testsieger.

Hier wird´s richtig ärgerlich. Das Prädikat „Bester Online-Broker“ hat Flatex zwar tatsächlich eingeheimst (vom „Handelsblatt“). Aber schon im Jahr 2018, von „Broker-Test“ sogar schon 2017. Darüber hinaus: Das Lob „Testsieger“ stammt nicht, wie flüchtige Leser annehmen könnten, von der renommierten Stiftung Warentest. Diese Kollegen von Terence Tester haben Flatex zwar bei den Kosten für einige Depot-Varianten auf Platz 2 gesetzt – allerdings bevor Flatex damit begonnen hat, Geld für ein Depot zu verlangen. 

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Mehr als 320.000 zufriedene Kunden? Das war einmal

Aktuell wirbt Flatex auf der Homepage noch immer mit „Mehr als 320.000 zufriedenen Kunden“. Es dürften inzwischen einige Tausend oder sogar Zehntausend weniger sein. Das zeigen die wütenden Bewertungen auf „Trustpilot“: Gesamtnote „Mangelhaft“ bei 208 abgegebenen Stimmen. Seit Februar und März dieses Jahres bekommt Flatex sogar nur noch die schlechteste Note „Ungenügend“. Die letzte „Hervorragend“-Bewertung stammt vom September 2019. Warum? Darum: 

„Vorsicht bei diesem Broker, die Website ist immer häufiger down, und der Kundendienst ist nicht erreichbar.“

„Leider ist der Laden inzwischen unglaublich unseriös. Negativzinsen, Depotkonto-Führungsgebühren und Kundenservice…“

„Ich warte seit über 4 Wochen, dass mein Depot auf ein anderes Konto übertragen wird – nix passiert… Man sagte mir aufgrund des hohen Kündigungsaufkommens dauere es noch 6-8 Wochen, bis der Übertrag erfolge.“

„Wer also nach einem Broker sucht, der quasi nicht ansprechbar ist (nur über Telefon mit langen Warteschleifen) und zudem noch den Kündigungsprozess aberwitzig verkompliziert, dazu auch noch Depotgebühren verlangt – kurzum: wer sein Leben möglichst umständlich machen möchte, der wählt Flatex.“ 

Und wie antwortet Flatex auf all das? Mit rührenden Worten auf der Homepage: „Liebe Kunden, wir geben alles, um auch in diesen turbulenten Zeiten stets für Sie da zu sein. Dafür wünschen wir uns von Ihnen, dass Sie auf sich und Ihre Mitmenschen Acht geben. Vermeiden Sie deshalb bitte unnötige soziale Kontakte.“

Im Klartext: Bitte kontaktieren Sie uns nicht – sie bekommen sowieso keine Antwort!

Geschäftskonto Ratgeber groß

Ungewöhnlich hohe Anzahl von Beschwerden

Etliche der wütenden Kunden haben inzwischen die Finanzaufsicht BaFin alarmiert. Sie werfen Flatex vor, im Falle eines Anbieterwechsels die Übertragung des Depots zu verschleppen – so der Fachdienst „finanz-szene.de“: Die BaFin nehme diese Fälle offenbar sehr ernst („Ungewöhnlich hohe Anzahl von Beschwerden“), sei bereits bei dem Wertpapierbroker vorstellig geworden und habe Maßnahmen angemahnt. 

Wer sich über derartige Flatex-Frechheiten wundert, weiß offensichtlich nicht, wer hinter dem Wertpapierbroker steckt: Niemand Geringeres als Bernd Förtsch – Gründer und wohl immer noch größter Aktionär von Flatex, sowie einstmals einer der größten Lautsprecher des „Neuen Marktes“ im Jahr 2000. 

Die Älteren unter uns erinnern sich noch wie Förtsch damals selbst die dubiosesten Internet-Buden per TV im heftigsten fränkischen Akzent zum Kauf empfahl: „Kursziel Dausend!“

Und jetzt? Hat sein Lieblingskind Flatex eben ein paar „Dausend“ Kunden weniger. Zu Recht. Denn wie heißt es so schön auf der Flatex-Homepage: „Jetzt wechseln und richtig sparen.“ Wechseln – ja, aber zur günstigeren Konkurrenz. So hatten Förtsch & Co. sich das wohl nicht gedacht …

Terence Testers Fazit

Flatex war einmal gut, günstig, innovativ und fair. Davon ist eigentlich nur noch das Prädikat „günstig“ (im weiteren Sinne) übrig geblieben. Wer aber in so kurzer Zeit so viel Vertrauen verspielt. Wer selbst einfachste Dinge wie einen Depotwechsel nicht mehr hinbekommt. Und wer sich dann auch noch mit der Finanzaufsicht anlegt – ja, dem muss Terence Tester leider eine glatte Sechs geben. Sind Sie bereits Flatex Kunde? Schreiben Sie gerne eine Bewertung zu Flatex!

Gesamtnote: 6

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Investigator
Investigator
8. April 2020 10:56

Passt alles! Die Flatex-Macher fielen zuletzt unangenehm auf, als sie versucht haben, mit einem angeblichen Interesse von Goldman Sachs den Aktienkurs zu pushen….

Hier gehts zum Wertpapierdepots-Vergleichsrechner: