Das wichtigste in Kürze: Tarif DFV Exklusiv 100

  • Werbung: „Beste Zahnzusatzversicherung“, „Testsieger“
  • Realität 1: Die Top-Noten stimmen und stammen von „Stiftung Warentest“
  • Realität 2: Die Versicherung ist schon viermal hintereinander „Testsieger“
  • Marketing-Versprechen: Unsaubere Formulierungen bei „Wartezeit“ und „100% Erstattung“
  • Kosten: Tarif liegt in der oberen Preisspanne aller Anbieter
  • Terence Tester Note: 2

Die „beste Zahnzusatzversicherung“ Deutschlands? Schon wieder ein angeblicher „Testsieger“? Aber, oh Wunder: Diesmal stimmt´s. Das Angebot der Deutschen Familienversicherung ist umfassend, fair, kundenfreundlich und flexibel – aber auch nicht ganz billig.

„Deutsche Familienversicherung“ – das klingt geradezu sensationell seriös. Aber wer ist dieses Versicherungsunternehmen? Und was taugt die von ihm angebotene Zahnzusatz-Versicherung „DFV-Zahnschutz Exklusiv 100“? 

Auf den ersten Blick sehr viel. Das Magazin „Finanztest“ (Stiftung Warentest) gab dem „Zahnschutz Exklusiv 100“ die Bestnote: Ein „Sehr gut“ (0,5) für ein Versicherungspaket, das alle Kosten der Zahnbehandlung übernimmt, die eine gesetzliche Krankenversicherung nicht trägt (Leistungen für Zahn¬behandlungen, Inlays, Kronen, Implantate etc.).

Auf den zweiten und dritten Blick auch. Zwar vergab „Finanztest“ überraschende 74mal die Note „Sehr gut“ (bei insgesamt 234 überprüften Zahnzusatzversicherungen). Doch zu den vier besten „Sehr gut“ gehört eben auch die Deutsche Familienversicherung (DFV) – dank der Top-Zweitnote „0,5“ (also sogar besser als „1“). Und das sogar im vierten Jahr hintereinander. Also fast schon wie bei dem berühmten Zahnpasta-Werbespruch aus den 70er Jahren: „Die gibt der Zahnarzt seiner Familie!“  

Zahnzusatzversicherung

Wie seriös ist die Deutsche Familienversicherung wirklich?

Grund genug für Terence Tester noch etwas genauer hinzuschauen als die staatlichen Produkt-Prüfer: Wie seriös ist die „Deutsche Familienversicherung“ wirklich? Das Unternehmen selbst, das Produkt „Zahnzusatzversicherung“, aber auch die Vertragsdetails und Marketing-Versprechungen. Das Unternehmen hat sich den stolzen Namen „Deutsche Familienversicherung“ gegeben.

Das ist werbewirksam. Und offensichtlich auch erfolgreich. Die noch recht junge, erst 2007 gegründete Firma ist eine fast ausschließlich digital auftretendes Versicherung („Insurtech“), zählt aber bereits etwa 500.000 Kunden mit Verträgen im Wert von gut 100 Millionen Euro. Das ist mehr als beeindruckend – vor allem im Vergleich zu anderen, mühsam vor sich hinwurschtelnden Insurtechs wie Ottonova & Co.   

Dicke Sprüche aus der Werbe- und Marketing-Hölle

Klar, auch die „Deutsche Familienversicherung“ protzt gern mit Sprüchen aus der Werbe- und Marketing-Hölle. Vor allem bei ihrem Paradeprodukt „Zahnschutz Exklusiv 100“:

  1. „Keine andere Zahnzusatzversicherung wurde so oft zum Testsieger gekürt.“
  2. „100 Prozent Erstattung auf Zahnbehandlung, Zahnersatz, Kieferorthopädie“ 
  3. „Bei uns müssen Sie nicht entscheiden, welche Behandlungen Sie versichern wollen. Hier ist alles drin!“
  4. „Wir verzichten auf Wartezeiten“
  5. „Wir garantieren tägliches Kündigungsrecht“
  6. „Wir garantieren eine Regulierung der Leistungsansprüche innerhalb von 48 Stunden“ 

Auch wenn diese Behauptungen etwas großspurig und aufschneiderisch klingen: Sie stimmen wenigstens. Also zumindest meistens. Und überwiegend. Bis auf so manches Kleingedruckte. Aber der Reihe nach. Terence Tester checkt Behauptung für Behauptung. 

Behauptung 1: „Keine andere Zahnzusatzversicherung wurde so oft zum Testsieger gekürt.“

Das kommt hin. Zumindest wenn es um die renommierte „Stiftung Warentest“/„Finanztest“ geht (und nicht um die dubiosen Gütesiegel der vielen anderen obskuren Anbieter). In jedem der vergangenen vier Jahre war hier nur die „Deutsche Familienversicherung“ unter den „Testsiegern“. Jeweils mit „Sehr gut“. Kleiner Haken: Diese Top-Note gilt nur für den teuersten Edel-Tarif „DFV-Zahnschutz Exklusiv 100“. Nicht aber für die anderen Zahnzusatz-Versicherungen „Basis 50“, „Komfort 70“ und „Premium 90“ – auch wenn das Unternehmen auf seiner Homepage so tut.

Behauptung 2: „100 Prozent Erstattung auf Zahnbehandlung, Zahnersatz, Kieferorthopädie“.

Das stimmt zwar überwiegend. Aber nicht so ganz. Denn später wird das Unternehmen genauer und spricht von „Bis zu 100 Prozent Kostenerstattung“. Und kommt so der Wahrheit deutlich näher. Die „Deutsche Familienversicherung“ erstattet z.B, Zahnpropylaxe (vulgo: Zahnreinigung) nicht unbegrenzt, aber immerhin bis zu 200 Euro. Und bei kieferorthopädischen Behandlungen springt die Versicherung nur bis „höchstens 2.000 € je Versicherungsfall“ ein, wenn die Gesetzliche Krankenversicherung nichts zahlt. 

Behauptung 3: „Bei uns müssen Sie nicht entscheiden, welche Behandlungen Sie versichern wollen. Hier ist alles drin!“

Leider „nicht alles“ (siehe oben). Aber immerhin sehr, sehr vieles. Trotzdem: Die Aussage trifft so nicht zu. Ein „so gut wie alles“ wäre ehrlicher gewesen.  

Behauptung 4: „Wir verzichten auf Wartezeiten“

Stimmt nur zum Teil. Zwar verhängt die „Deutsche Familienversicherung“ keine Sperrfristen von z.B. drei bis sechs Monaten für Neukunden

„Der Beginn des Versicherungsschutzes ist nicht an den Ablauf von Wartezeiten geknüpft.“

Aber das Unternehmen schränkt seine finanziellen Leistungen in den ersten vier Jahren drastisch ein: So bekommt der Kunde selbst im Luxustarif „Exklusiv 100“ jedes Jahr nur maximal 1.250 Euro für Zahnersatz und Behandlungen, im Billigtarif „Basis 50“ sogar nur 625 Euro pro Jahr. Nur wer länger als vier Jahre versichert ist, erhält jeden Cent seiner Zahnarztrechnung zurück. Für Terence Tester ist das eine eindeutige „Wartezeit“ – aus finanziellen Gründen. Es tröstet ihn auch nicht, dass alle privaten Zusatzversicherungen so handeln. 

Behauptung 5: „Wir garantieren tägliches Kündigungsrecht“

Das äußerst erfreulich für die Kunden. Und trifft tatsächlich zu – bis auf eine nicht ganz unwichtige Kleinigkeit. Also: Ein Kunde der „Deutschen Familienversicherung“ kann seinen Vertrag tatsächlich „jederzeit täglich wieder kündigen“ – und muss sich nicht wie sonst üblich mindestens zwei Jahre lang an das Versicherungsunternehmen ketten. Die Ausnahme: Wer  innerhalb der ersten zwei Jahre zum Zahnarzt geht und dafür Geld von der „Deutschen Familienversicherung“ kassiert, ist danach ein Jahr an seinen Vertrag gebunden: Für ihn gilt dann

„eine Sperrzeit von maximal 12 Monaten, in der die tägliche Kündigungsmöglichkeit ausgeschlossen ist“.  

Behauptung 6: „Wir garantieren eine Regulierung der Leistungsansprüche innerhalb von 48 Stunden“

Das klingt plausibel. Allerdings nur in der perfekten Welt der „digitale Schnellregulierung“: Der Kunde muss hier alle Rechnungen oder Kostenvoranschläge „per Foto oder Scan“ selbst einreichen. Und erst wenn „alle relevanten Unterlagen“ vorliegen, gilt das 48-Stunden-Geld-Zurück-Versprechen. Einige Kunden scheinen hier aber andere Erfahrungen gemacht zu haben. Das zeigen zumindest ihre Bewertungen auf „Trustpilot“ und „Check24“.  

Schneckentempo, einen Monat warten, Schadensmeldungen mehrfach schicken

Die meisten Kunden scheinen mit der „Deutschen Familienversicherung“ und ihrem Zahnschutz-Produkt recht zufrieden zu sein. Sie vergeben bei Check24 „4,1 von 5 Sterne“ und bei Trustpilot ein „befriedigend“. Doch eines kommt bei ihnen nicht gut an: 

  • „Die Leistungen werden im Schneckentempo bezahlt, da ist jede andere Versicherung schneller“
  • „Schadensmeldungen kann man mehrfach schicken, bis sie diese dann mal bearbeiten“
  • „Mit einer Rechnung wartete ich ein Monat anstatt 48 Stunden wie in der Werbung“

Also mit dem Arbeitstempo scheint´s bei der „Deutschen Familienversicherung“ zu klemmen. Terence Tester möchte hier keine voreiligen Schlüsse ziehen, da bisher nur wenige Kunden ihre Noten vergeben haben. Vielleicht liegt´s ja auch daran: Das Unternehmen ist sehr schnell gewachsen, die Zahl der Mitarbeiter aber nicht. So etwas Ähnliches räumt auch der Vorstandsvorsitzende und Gründer Stefan Knoll ein:

„Dank des hohen Einsatzes unserer Mitarbeiter konnten wir das starke Geschäftswachstum mit relativ geringem Personaleinsatz stemmen.“

Terence Testers rät daher dringend: Jetzt aber ruckzuck in Service und Qualität investieren! 

Was kostet der Spaß? Nicht gerade wenig.

Damit wäre unser Check auch schon beim letzten Punkt: Was kostet der Spaß? Klare Antwort: Nicht gerade wenig. Die „Deutsche Familienversicherung“ liegt mit den verschiedenen Tarifen ihrer Zahnzusatz-Versicherung stets innerhalb der oberen Preisspanne aller Anbieter:

  • Der Edel-Tarif „Exlusiv 100“ kostet mit 30 Jahren 24 Euro im Monat, 31,50 Euro mit 40, 45,50 Euro mit 50, 59 Euro mit 60 und 64,50 mit 70 Jahren.
  • Ähnlich stark steigen im Alter auch die Preise für die Produktvarianten Basis 50 (ab 12 Euro/Monat), Komfort 70 (ab 17 Euro) und Premium 90 (ab 21,50 Euro)

Aber die „Deutsche Familienversicherung“ hat auch nie behauptet, die „Günstigste“ zu sein.

Sondern nur die „Beste“.

Terence Testers Fazit:

Die Zahnzusatzversicherung „Exklusiv 100“ ist gut, fair, kundenfreundlich und flexibel. Das Paket der „Deutschen Familienversicherung“ erzielt tolle Test-Ergebnisse – und zwar echte, nicht etwa gekaufte oder minderwertige Gütesiegel. Die Preise sind zwar recht hoch. Dafür bietet der Zahn-Tarif aber auch einen sehr umfassenden Schutz und den nahezu unbezahlbaren Vorteil, quasi täglich kündigen zu können. 

Das einzige was stört: Die kleinen bis mittelgroßen Flunkereien und Tricksereien im werblichen Teil. Dabei hätte das Unternehmen derartige Mätzchen gar nicht nötig. Deshalb gibt Terence Tester auch „nur“ die Note „gut“ – sonst wäre deutlich mehr drin gewesen.

Unsere Terence Tester Note: 2

Zahnzusatzversicherung

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