Ottonova hat die private Krankenversicherung neu erfunden. Findet Ottonova. Der Newcomer lobpreist sich als „die erste Krankenversicherung, die dein Leben leichter macht!“: mit „Exzellenter Absicherung“, „Maximaler Zeitersparnis“, „Hohem Einsparpotential“ und „Stabilen Beiträgen“.

Superheld

Wow.

Das wäre wirklich neu. Und großartig.

Denn so viel auf einmal hat noch keine deutsche Krankenversicherung geschafft. Vor allem keine „stabilen Beiträge“.

Denn die schießen im Alter meist rasant in die Höhe. Gern mal auf 1000 bis 1500 Euro pro Person und Monat – oder sogar mehr.

Das alles will Ottonova anders und besser machen.

Oder wie Gründer Roman Rittweger beim Start vorgab: Man werde

„ganz entspannt den Laden in drei Jahren langsam hochfahren. Wir brauchen gar nicht so viele Kunden, bei 12.000 Versicherten sind wir Break-Even.“

Starke Worte. Eines echten Superhelden.

Vor allem für einen Branchen-Neuling. Oder?

Wer so angibt, hat sich einen Realitäts-Check von Terence Tester verdient. 

Erster Schnell-Test:

Die Kunden scheinen mega-zufrieden zu sein – glaubt man „Trustpilot“.

Die 80 Bewerter geben Ottonovo insgesamt die Note 1 „Hervorragend“.

Dieses Ergebnis kann stimmen, muss es aber nicht.

Gleich zwei Dinge fallen bei Trustpilot auf:

Erstens:

Die seltsam vielen Kurz-Lobhudeleien wie etwa: 

„alles super“,

„klasse von A-Z“,

„absolut tolle Erfahrung“,

„rundum zufrieden“.

 

Meist von Leuten, die zum ersten Mal überhaupt bei Trustpilot etwas benoten.

 

Zweitens:

Die fast schon absurden Schmeicheleien.

Die so klingen, als hätte die Ottonova-Marketingabteilung sie selbst getextet: 

„…habe ich, seit ich bei Ottonova bin, das Gefühl, dass sich das Geld, das ich für meine private Krankenversicherung ausgebe, lohnt“

„Überzeugt hat mich der moderne Auftritt, die digitalisierten Prozesse und vor allem die hervorragende Beratung im Entscheidungsprozess“

„Sehr gutes Geschäftsmodell in einer zunehmend digitalen Welt… alle Touch-Points waren der Hammer“

Und das Highlight:

„Vielen Dank, dass euer Team so geduldig und hartnäckig war. Aber ihr habt nicht aufgegeben und ich bin nun bald bei euch versichert.“

Liebe Ottonova,

welcher echte Mensch/Kunde redet oder schreibt denn so?

Und wählt dann auch noch zielsicher solch ein klassisches Marketing-Dummsprech?

Kleine Anmerkung:

Sollten Eure Marketender Marketing-Überflieger das nachweislich nicht verbrochen haben, würde Terence Tester seinen Verdacht selbstverständlich in tiefster Zerknirschung zurücknehmen.

Hund am Boden groß

Nach den Zweifel ist vor dem Produkt.

Also ran an das eigentliche Ziel von Ottonova:

das perfekte Krankenversicherungsprodukt.

Wir prüfen zuerst den „Volltarif für Selbständige“.

Hier bietet Ottonova entweder die „Business Class“ oder die „First Class“. 

Mit der „Business Class“ darf man zu „allen Ärzten und Spezialisten“, bekommt „300 € alle 2 Jahre für Sehhilfen“, „1.000 € für Heilpraktiker pro Jahr“, ein „Zweibett-Zimmer bei Krankenhausaufenthalt“, die „Freie Arztwahl (inkl. Chefarzt)“ und „80-90% für Zahnersatz“.

Die „First Class“ bietet fast genau dasselbe.

Die wesentlichen Unterschiede: 500 statt 300 Euro für die Brille, Einbettzimmer statt Zweibettzimmer und ein etwas höherer Zuschuss für Zahnersatz (90-100%)