Die Deutsche Bank ist aufgewacht. Seit kurzem hat auch das (noch) größte Geldhaus im Land eine schicke kleine Digitalbank für die jungen Geschäftskunden von heute. Das Institut hört auf den feschen Namen „Fyrst“. Das ist isländisch und soll so viel bedeuten wie „zuerst“. Aber wie schnell, umfangreich und lohnend ist das Angebot wirklich?    

Also „zuerst“ sind die Deutsch-Banker mit „Fyrst“ ja nun wirklich nicht dran. Diese Geschäftsidee hatten Holvi & Co. schon ein paar Jährchen früher. So um 2014 herum. Fyrst startete hingegen erst im Juli 2019. Heimlich, still und leise. Der Banken-Tanker möchte wohl erst einmal testen, wie sein kleines neues Schnellbot so ankommt.

Mehr als Banking. Wirklich?

Glaubt man den Texten auf der Homepage, hat Fyrst das Bankengeschäft für Jung-Unternehmer quasi neu erfunden:

– „Fyrst ist die Bank, die Ihr Business leichter macht“
– „Die digitale Bank für Gründer, Selbstständige und Freiberufler“
– „Fyrst kann mehr als Banking“
-„ Mit preiswerten Bankleistungen und innovativen Business-Lösungen“
– „Reibungslose Bargeldversorgung“
– „Flächendeckende Ein- und Auszahlung“

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Was kann Fyrst – und was nicht?

Zugegeben: Das alles wäre ein dickes Leistungspaket. Höchste Zeit, dass Terence Tester prüft, ob mehr drin ist als nur heiße Marketing-Luft.

1. Für wen ist Fyrst?

Leider nicht für alle Gründer – so wie angekündigt. Sondern nur für Selbständige und Freiberufler, die sich nicht als juristischen Personen organisieren (wie z.B. GmbH oder UG). Letzteren steht Fyrst erst geplant Ende 2019 offen. Frühestens.

Die Zielgruppe soll nicht unbedingt sofort merken, dass Fyrst zum Deutsche-Bank-Konzern gehört. Genauer: zum Bereich der DB Privat- und Firmenkundenbank AG, die wiederum ein Geschäftsbereich der Postbank ist. Deshalb auch die stylische mintgrüne Fyrst-Webseite. So ganz anderes als das altmodische blau-gelb des Rest-Unternehmens.

Als Terence Tester übrigens dort (in einer Postbank) nach „Fyrst“ fragt, guckt der Schalterbeamte erstens ungläubig. Erkundigt sich zweitens bei einem Kollegen. Und empfiehlt Terence Tester drittens die Homepage von Fyrst.    

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Was kostet Fyrst?

Auf den ersten Blick so gut wie nichts: Das (Basis-)Konto ist gratis, ebenso wie die dazugehörige Girocard („EC-Karte“). Eine Kreditkarte ist (noch) nicht vorgesehen.

Fyrst bietet den Jungunternehmern ein Einfach-Konto „Base“ und eine Komfort-Variante „Complete“:

„Base“: kostet tatsächlich nichts. 50 elektronische Überweisungen pro Monat sind inklusive. Danach werden 19 Cent pro Buchung fällig. Für eine Überweisung mit Beleg bezahlt man 5 Euro, Bargeld kostet am Automaten 1,90 Euro, am Schalter 5 Euro. Wer Geld einzahlt, braucht nichts zu berappen (am Geldautomat oder mit Karte am Schalter). Nur beim Einzahlen mit Beleg verlangt Fyrst 5 Euro.

„Complete“: kostet 10 Euro pro Monat. Bietet dafür aber nur unwesentlich mehr: 75 Gratis-Buchungen pro Monat (dann 8 Cent), Überweisung per Beleg für 4 Euro, Bargeld am Automaten für 0,90 Euro, Einzahlung per Beleg 4 Euro. Alles andere ist wie bei „Base“. Terence Tester fragt sich aber: Wieso heißt dieses Konto dann „Complete“ – denn „komplett“ ist daran gar nichts. Alles ist nur irgendwo billiger oder teurer als bei „Base“.    

Was bietet Fyrst außerdem?

Ziel ist eine Plattform für alles, was der Selbständige rund ums Geld so brauchen könnte. Im Marketing-Slang: „Beyond Banking“.  Also Rechnungen schreiben, Aufträge bearbeiten, steuerliche Berechnungen, Buchhaltung etc.

Aber: Umsonst ist nur der Tod. Zumindest bei den meisten dieser Services. Beispiel: Wer einen Steuer-Check braucht, bekommt ihn vom Kooperationspartner „Sevdesk“ für 6,50 Euro/Monat (mit 25 Prozent Rabatt im ersten Jahr). Hilfe bei Auftragsmanagement und Rechnungen sind immerhin in der kostenpflichtigen Konto- Variante „Complete“ eingeschlossen.    

Wie lange dauern Geld-Transfers?

Eindeutig zu lange. Das gibt Fyrst auch zu: „Sowohl nationale, als auch internationale SEPA-Überweisungen werden grundsätzlich innerhalb eines Bankarbeitstages abgewickelt. Dies kann sich aufgrund der Öffnungszeiten der teilnehmenden Geldinstitute jedoch auch auf zwei Bankarbeitstage ausweiten.“

Das ist gar nicht gut. Und für die angepeilten modernen Geschäftskunden auch nicht zumutbar. Denn das können andere Anbieter besser. Solche simplen Geld-Transfers flitzen z.B. bei N26, ING oder DKB in Sekunden von Konto-App zu Konto-App. Sollte es etwa daran liegen, dass Fyrst vorerst noch auf die Steinzeit-IT der Deutschen Bank angewiesen ist? Die Techniker des Großgeldhaueses würden an dieser Stelle wohl verschämt nicken…    

Wie kommen die Kunden an Bargeld?

Die Preise kennen wir ja nun schon (s.o.). Aber wo gibt´s Bares? Und wo kann man es ein- oder auszahlen? Das ist gerade für Jungunternehmer in Handel und Gastronomie ein wichtiges K.O. Kriterium.

Für sie hat Fyrst eine gute Antwort parat: Rund 10.000 Stellen stehen zum Ein- und Auszahlen bereit – dank der vielen Postbank-Filialen und Automaten der Cash-Group. Das ist ein Riesen-Vorteil gegenüber den konkurrierenden bargeld-feindlichen Geschäftskonten-Start-Ups wie Holvi, Penta, Kontist & Co.    

Kann man sein Konto überziehen?

Hier lautet die klare Antwort: Ja – aber….  Und zwar mit einem fetten „ABER“.

Positiv: Ein Fyrst-Kunde darf sein Konto überziehen und bekommt auch einen Kontokorrent-Kredit (der „Dispo-Rahmen“ für Geschäftskunden). Voraussetzung: Der Selbständige/Freiberufler betreibt sein Business schon mindestens ein Jahr lang und besitzt sein Konto bei Fyrst seit drei Monaten.

Negativ: Der Preis des Geldes. Auch wenn zuerst alles so schön preiswert erscheint. Originaltext Fyrst: „Flexibilität durch günstige Kreditangebote ab 0,99% p.M.“  Haben Sie´s gemerkt? P.M. und nicht P.A. Also pro Monat und nicht pro Jahr – wie sonst alle Banken ihre  Kreditzinsen angeben.

Der Unterschied ist gewaltig. Terence Tester rechnet nach: Aus den angegebenen 0,99% pro Monat werden 12,55% pro Jahr, aus den 1,09% immerhin 13,89% und aus den 1,20 stolze 15,39% pro Jahr.

Also das nennt Fyrst tatsächlich „günstig“? Und schämt sich nicht mal dafür? Angesichts der aktuellen Nullzins-Landschaft eine Gewinnspanne von bis zu 15,39 Prozent für einen Überziehungskredit zu verlangen?

Terence Tester wusste ja, dass die Deutsche Bank Geld braucht. Aber gleich so dringend…. 

Was hat Fyrst, was andere nicht haben? (Fast) nichts.

Ein einziges Allein-Stellungsmerkmal besitzt das neue FinTech: Zwei große, deutsche Alt-Banken stärken Fyrst den Rücken. Das hilft dabei, die Kunden nahezu überall in Deutschland mit Geld zu versorgen. Und ihnen im Falle eines Banken-Crashs die Einlagen zu sichern.

Aber sonst?

Fazit:
Fyrst ist eine Geschäftskunden-Bank wie viele andere. Man kann vieles, was auch die anderen können. Braucht dafür aber unzeitgemäß lang (Geld-Transfers). Oder verlangt Wegelagerer-Konditionen (Kontokorrent). Die man auch noch trickreich zu verstecken versucht. Vor allem wegen dieser letzten Zumutungen gibt’s einen deftigen Punktabzug.
Gesamt-Note: 4 –

Fakten-Box
„Fyrst“ Geschäftskonto „Base“
– Gratis-Konto: Null Euro Gebühr, kostenlose Girocard, 50 Überweisungen frei
– Bargeld-Garantie: Ca. 10.000 Automaten/Filialen zum Ein- und Auszahlen
– Einlagen-Sicherung: Tochter der Deutsche Bank / Postbank
– Transfer-Tempo: Mäßig, bis zu zwei Tage pro Überweisung
– Überziehungs-Zinsen: Unverschämt, bis zu 15,39 Prozent pro Jahr
– Gesamtnote: 4 –

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